Druckschrift 
1 (1777) A - L
Entstehung
Seite
510
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sio Geheimnisse.

Zweyter Satz.

Die Geheimnisse reichen nothwendiger Weise über dieVernunft hinaus; aber der Mensch kann unmög-lich beweisen, daß sie der Vernunft zuwiderftyn.

/Lhe wir die Beweise dieses Satzes votragen, müssen wir^ erklären, was man durch die Wort: über die Ver-nunft hinaus, und: der Vernunft zuwider, versteht.

Man saget, daß ein Ding oder eine Wahrheit über dieVernunft Hinaus sey, wenn man keinen klaren und deutlichenBegriff davon Hat, oder haben kann; und wenn man ihnnicht Haben kann, weil dieses Ding oder diese Wahrheit,durch ihre Natur, höher ist, als der menschliche Verstandund alle natürliche Einsichten.

Man saget, daß ein Ding der Vernunft zuwider sey,wenn man in den Begriffen, welche durch die Ausdrücke bey,gebracht werden, wodurch das Ding vorgetragen wird, deut-lich eines Widerspruchs wahrnimmt, oder wenn in einemSatze ein Ausdruck deutlich bejahet, was der andere Aus-druck verneinet. Also wäre es ein Widerspruch zu sagen,daß das Ganze nicht größer sey, als einer von seinen Theilen:denn das Ganze bringt uns den Begriff von der Vereint,gung mehrer Theile bey; und ein Theil kann nicht alle ver-einigte Theile seyn.

Ißt wollen wir zum Beweise der zwey Glieder unftrsSatzes schreiten.

i. Alles, was uns die Geheimnisse von der Wesenheitund den Vollkommenheiten Gottes vortragen, ist nolhwen,dig über die Vernunft hinaus. Denn, obgleich die Ver,nunst sehr klar erkennt, daß es einen Gott giebr, und ob-gleich