Geheimnisse. ' 507
d „ kann meine Vernunft nicht würdiger gebrauchen, als da>. „ ich sie vor dir vernichte. Dieß ist die Entzückung meines
k „ Geistes; dieß ist die Bezaubrung meiner Schwachheit,
< „ daß ich mich von deiner Größe verdrücket fühle,,.
^ Fürwahr, Gott ist unendlich; alles, was wir in Gotte
'' begreifen, ist unendlich; und der Verstand des Menscheni' ist wesentlicher und nothwendiger Weife beschränket und end,^ lich. Man ist in diesem Stücke nicht unschlüssig; man ver-j nünftelt nicht; man erlaubet sich sogar nicht den mindesten^ Zweifel darüber. Wenn aber dieses ist, so ist es dann unmög-lich, daß die Kenntnisse des Menschen so weitaussehend, alsdie Kenntnisse Gottes seyn; daß der Verstand des Menschen'd alles erkenne, was die Wesenheit und die Vollkommenhei-
^ ten Gottes in sich begreifen; daß er alle Wahrheiten einsehe,
^ von denen Gott die Erkenmniß hat; daß seine Ausblicke
^ und seine Einsichten eben so allgemein, als bey Gotte seyn.
^ Es müssen dann, in der Wesenheit und in den Eigenschaften
des unendlichen Wesens, unendlich viele Dinge und Wahr,heilen begriffen seyn, welche der beschränkte und endliche Ver," stand nicht ergründen und nicht erreichen kann : außerdem
müßte man sagen, daß entweder Gott nicht unendlich, oderhm dm Verstand des Menschen nicht beschränket wäre. Allein
^ Niemand ist im Stande, eine oder die andere von diesen
^ zwoen Ungereimtheiten zu behaupten,
^ Nun, alle diese Wahrheiten, und alle diese Dinge, wel-che der endliche und beschränkte Verstand nicht ergründen und§ nicht erreichen kann , die heißen wir Geheimnisse. Es ist
^ also bewiesen, daß die Wesenheit und die Eigenschaften Gor,
tes eine nothwendige Arreste von Geheimnissen für den Memschm sinh,
Laßt