422 Erbsünde,
sicht im Menschen eine Neigung, welche der Ordnung, derGerechtigkeit, der Heiligkeit zuwiderläuft. Der Menschverdienet dann in diesem Stande die Liebe und das Wohlge,fallen seines Gottes nicht mehr; er ist, nach dem Ausdruckedes heiligen Pauls, von seiner Natur ein Kind des Zornes:Natura Mi m
Dritter Schluß.
Es folget, daß alle Menschen mit der Mackel derCrbrfände gebohren werden. Es sprossen alle aus einem verderb-ten Gramme; es klebet dann allen das Verderbniß des Stam-mes an. Sie werden ihren Aeltern ähnlich gebohren; folg-lich nehmen sie an der gleichen Herabsetzung Theil; sie erfah-ren an rhren Kräften die gleiche Unordnung und Verwirrung;sie haben die gleiche unordentliche Neigung. Sie werdenalso in der Ungnade des Schöpfers gebohren, und sind derVorzüge beraubet, womit der erste Mensch von dem Schöp-fer begünstiget worden war. Die Kirche lehret uns, daßnur die seligste Jungfrau, die Mutter des eingefleischtenWortes, aus einem sonderbaren Vorzüge, von dieser Ver-dammung ausgenommen gewesen sey.
Vierter Schluß.
Es folget, daß der Mensch, unter der Last der Erbsün-de, über die Armseligkeiten seines Standes seufzen, aber sichüber den Schöpfer nicht beklagen kann. Er kann über sei-nen Zustand seufzen, wegen der Armseligkeiten, womit erbedrängt ist, und wegen der Beschwerniß, die er fühlet,die Tugend zu üben, und sich vor dem Laster zu vcrtheidigen.Aber er kann sich über den Schöpfer nicht beklagen, weiler in seinem Unglücke nicht verlassen ist, und die Gnade desErlösers hat, um sich wieder aufzurichten. Wenn wir alleArten, nach welchen die Gnade des Erlösers allen Menschen
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