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1 (1777) A - L
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391
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Duldung. Z9i

O Liebhaber von künstlichen Gegensätzen! Sie müssensich vieles zu gut wissen, daß Sie Jerusalem und das Lapistolium einander entgegenzestellct haben. Aber Sie werdenwohl auch wissen, daß ein Gegensatz nicht allezeit mit Ver-minst begleitet ist? Sagen Sie, uns zu gefallen: Hattendie Juden Grund dazu, daß sie die Bildsäule Jupiters zuJerusalem aufzustellen sich weigerten? und handelten dieKaiser vernünftig, da sie die Juden dazu zwingen wollten?Antworten Sie, hitziger Eiferer für die Duldung! Aberwo haben Sie erfahren, daß die Christen nicht gestatten wollsten, daß die Bildsäule Jupiters im Lapitolium stünde?Die Christen verdammten den Götzendienst überhaupt; abersie kümmerten sich um die Götzenbilder im Lapitolium ebensowenig, als um jene, die sonst allenthalben waren.

Nachmals sagen Sie, die Christen haben nothwendirger weise der ganzen Welt Feinde seyn müssen, weil ihreMeinung war, daß die ganze Welt müßte christlich wer,den. Ein verständiger Mann hätte aus diesem Grundsätzegerade das Widcrfpiel von dem geschlossen, was Sie darausschließen. Er hätte gefaget, weil die ganze Welt hätte christ-lich werden sollen, haben die Christen nothwendiger Weifedie großeste Nachsicht und die größeste Sanstmuth anwendenmüssen, um die ganze Welt zu gewinnen. Sehen Sie, wieder Gegensatz mit der Vernunft übereinskömmt.

XVII.

Ls ist klar, daß eine jede Privatperson, die einenMenschen, ihren Bruder, verfolget, weil er es nicht mitihrer Meynung hält, ein Scheusal ist. Dieß leidet kei-nen Anstand.

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