!
Z<8 Duldung.
sucht, den Eigennützen, die Ruhmbegierde, die kleinenLeidenschaften des Menschen, die Oberhand behalten,und jene so menschenfreundliche Sanftmuth aueübenrvürde, welche sie uns mit der Leder in der Hand so sehrherausstreicht.
Rousseau hätte das billige Mistrauen, das man aufjene schönen Grundsätze der Duidungsfoderer setzen sollte,nicht besser vorstellen , und ihre gekünstelte Häucheley nichtbesser enthüllen können. Eine Partey, da sie noch schwachist, prediget von nichts, als Sanftmuth, Frieden, Nach,sicht, Uebersehung, damit sie Zeit gewinne sich festzusetzen,sich auszudreiten, und stark zu werden. Sobald sie dieseszu Stande gebracht hat, so bald ihre Kräfte zugenommenhaben; so verändert sie die Sprache, sie machet sich furcht,bar, sie dräust, sie har kein ander Vorhaben, als jene anihrer Reche hinabzudrücken, vor denen sie zuvor sich schmie,gen mußte. Es ist ihr wenig daran gelegen, daß die Gese»ße dawider sind, wenn sie nur die Gewalt auf ihrer Seitehak. Man lärmet; man schreyt wegen Unbilligkeit, wegenUnterdrückung; man redet nur von der Nothwendigkcit, Ge,w^lt mit Gewalt abzutreiben; und alle jene Nachsicht, jeneSanftmuch, jene Leutseligkeit, die man so sehr gerühmec hat,te, zielen endlich auf keinen andern Endzweck, als auf denGräuel der Empörung , und auf den Umsturz der Religion.
Die Duldung, welche man begehret, ist nur eineSchutzwehre, die man alsdann gebrauchet, wenn man nochkeine Troßwehre hat. Aber sobald man an diese hatgreifen können, entsaget man alsogleich den schwachenAnsprüchen auf Frieden und Leutseligkeit. Man will sichselbst Gerechtigkeit verschaffen. Man übet nichts als Ge»waltthätigkeiten, Verderben, Grausamkeiten, und Verheerun,
gm