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1 (1777) A - L
Entstehung
Seite
357
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Duldung. Z57

che durch die Gottlosigkeit und die Freydenkerey den größestenRuhm erhalten, so vermögen sind, den Christen die Anfüh-rung eines Grundsaßes zu verbuchen, der aus dem MundeJesu Christi selbsten gekommen ist; ob dieses nicht die äußer-ste Ausschweifung sey, daß man Duldung von jenen fodert,denen man ins Gesicht sagt, man werde die Grundsäße ih,rer Religion niemals dulden, oder man werde sich durchden Spott, die Verachtung, und den Haß, womit man sieohn Unterlaß verfolgen werde, in vollem Maaße daran,chen. . . .

Während daß der Christ also redete, verlor der Philo-soph jedes Augenblicks die Gelassenheit; es ward ihm bange;er kehrte sich hin und her. Noch ein Bißchen Geduld,mein Herr! sagte der Redner zu ihm: Sie sehen, wie sehrdie Fodrungen der Philosophen von der Duldung der Ver,nunft widersprechen: ißt will ich Ihnen noch zeigen, daßfür die Gesellschaft nichts schädlicher wäre.

Duldung! höret man allezeit die schwächste Parteyschreyen; aber die schwächeste Partey ist nicht allezeit diebilligste und die vernünftigste. Johann Jakob Rousseauhat es wohl begriffen; und es scheint, als wenn er auf allejene Betheurungen der Sanftmmh und Menschenfreundlich,keil von Seite der Philosophen wenig trauete. Ls ist leicht,saget er*, schöne Grundsätze in den Büchern auszukra-men; aber es ist die Frage, ob sie wohl in der LehreBestand halten, und nothwendig daraus fließen. Dießhat bis daher noch nicht ausgemacht geschienen. Ls istdie Frage, ob die Philosophie, wenn sie im Schwangeund auf ihrem Throne wäre, wohl etwa über die Ehr,

sucht.

Z Z

Emil. z. Sand.