Duldung.
das Land verwiesen hatten? Haben sie dieselbe dem Diago«ras von Melos zugestanden, welcher zur Gefangennehmungverurrheilt, und auf dessen Kopf Geldgesehet wurde? Ha'ben sie die Duldung Theodoren von Lyrenen zugestanden,welcher um seiner Gottlosigkeit willen verbannet worden ist?Haben die ersten Nachfolger Lonstantins * dieselbe den Ke-tzern zugestandm , welche wider die angenommenen Lehrsätzegeschrieben hatten? Haben sie unsere Könige denen zugestan-den, die sich gegen die Religion empören wollten? Man ur,th°ile davon aus den scharfen Bannschristen des heiligen Lu-dewigs, Franzens des Ersten, Rarls des Neunten, Lu-dewigs des Vierzehnten , Ludewrgs des Fünfzehnten,und aus einer unzählbaren Menge von Sprüchen der Oberge,richte. Wie getrauen Sie Sich dann, jene Duldung sodreiste zu fodern? und warum möchten Sie wünschen, daßman. Ihnen zu Liebe, alle weiseste, beständigste, allgemein-ste Gesetze hintansehen sollte? *
Sie mögen immer mit Rousseauen und Voltairen spre-chen : ** wer immer zu sagen waget: Außer der Kircheist kein Heil zu hoffen; der solle aus dem Staate gejagetwerden. Es sey lächerlich und abscheulich, diesen allge-meinen Drohspruch gegen Leute zu brauchen, die auf al-le weise den übrigen überlegen sind. Dieß sey eine al-te Rriegsrüstung, welche man klüglich im Zcughause ru,hcn läßt, und welche zu gebrauchen keine Privatpersondie Ertaubniß hat.
Man wird Sie sechsten fragen, ob es klug und vernünf-tig sey, jene im Staate zu leiden, welche die Religion desStaates beschimpfen, beleidigen, und verschreyen; ob nichtdieses lächerlich und abscheulich sey, daß Privatleute, wel-che
* Gesttzb. i. L. ** Gestllsch. vertr. 199. Seit.