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1 (1777) A - L
Entstehung
Seite
355
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Duldung.

Staat regieren, wie die Philosophen nicht ablassen, diejeni,gen zu verschreyen, welche die Religion verwalten?

Wenn aber die Christen, ungeachtet aller dieser Ern,griffe wider ihre Religion, ungerührt schienen ; wenn sie sichgenügten, mit jenen Philosophen tölpisch zu sagen : * Laßtuns als Brüder leben, und unfern gemeinsamen Vaterim Frieden anbethen. ** In Religionssachen ist ein jederMusch frey: was er glaubet, saget, oder schreibt istfür das Gemeinwesen sehr gleichgültig. ^ Der Friedenendlich, der Frieden ist so viel werth, als die Wahrheitselbsten. Wenn die Christen also,redeten, könnte man siefür anders betrachten, als für schwachsinnige Tropfen , dienichts sehen und nichts fühlen ? oder für Leute, denen an ih-rer Religion wenig gelegen ist, und die weder Ehrfurcht,noch Liebe, noch wahren Eifer für dieselbe haben? DieseNachsicht, diese Duldung, welche sie verlangen, könntedann aus nichts, als aus ihrer Schwachsinnigkeit, oder ausdem Mangel der Liebe zur Religion und zur Wahrheit ent-springen. Allein diese Beweggründe werden nicht allzu ehr,sich, und diese Mittel nicht sehr bündig seyn.

Außerdem würden Sie wohl Sich wagen,noch zu behaup«ten, daß man kein Recht habe, Ihnen jene Duldung zuversagen, die Sie so stolz und so dreiste begehren, und daßman sie aus aller Nothwendigkeit Ihnen zugestehen müsse?Aber haben die Athenienser diese Duldung dem gottlosenProtagoras zugestanden, dessen Schriften sie auf demöffentlichen Platze verbrennen ließen, nachdem sie ihm selbsten

das

' Verm. Schr. 27. Rap. "* philos Rriegrm. z. Rap.

' Gedicht, vom natürl. Gesetz.

' Geer, von der Nat. der Gott.

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