Z46 ' Duldung.
freydenkende Einbildung unterhält sich mit allem, spottet al-les aus, verhönet alles. Sie kennt kein Gesetz; sie khut sichniemals so viel Zwanges an, daß sie ein System annähme,oder ausdächte. Mit seinem stolzen und beißenden Tone siehter über die Vernunft und die Beweise verächtlich weg. SeinAnsehen und sein Namen sollen, nach seinem Dünkel, füralles gelten. Er hintergehk zwar manche dadurch; aber erist nachmals der Erste wieder, der über jene lachet, diedumm genug sind, daß sie ihm Gehör geben, und die nochdümmer sind, daß sie ihm glauben. Wir wollen also Vol.tairen fahren lassen, und uns an Rousseauen wenden, deretwas mehr Achtung werth ist.
Dieser hitzige Verfechter der Duldung giebt uns hier eüncs der auffallendsten Beyspiele von der Widersinnigkeit andie Hand, worein man verfällt, wenn man die Vernunftund die Wahrheit nicht auf seiner Seite hat. Er spricht mitallem Eifer und aller möglichen Geschicklichkeit für die Dul,düng das Wort. Aber in der Folge wird er gezwungen,alle Grundsätze, worauf er sie gebauet hatte, umzustürzenund zu verläugnen: und dieß wollen wir auf eine fühlbareWeise an den Tag legen, wenn wir gegen einander halten,was er von der wesentlichen Religion, und was er von derDuldung saget. Wir wollen zum Anfänge die Punkte bcyrbringen, die er für die Religion vorträgt. Er geht dabey sorichtig zu Werke, daß sich die strengesten Katholiken nichtscheuen dörsten, ihm beyzupflichten.
i. Man kann von dem Daseyn Gotte-, und von derNothwendigkeit und Heiligkeit der Religion sich nicht rüh<render ausdrücken, als er durch den Mund des Vikars ausSavoyen redet. * Mein Sohn! saget er: halt deine
Seele