Druckschrift 
1 (1777) A - L
Entstehung
Seite
341
Einzelbild herunterladen
 

Duldung. Z4i

das Widerspier. Ich glaube, daß ein ehrlicher Mannselig werden könne, in was immer für einer Religioner mit guter Meynung leben mag. * Sind die Vorur-theile so ehrwürdig, daß man die Vernunft, die Tugend,die Gerechtigkeit, und alles Gute, was die Wahrheitden Menschen verschaffen könnte, dafür aufopfern muß?was mich betrifft/ habe ich verheißen, in allen nützli-chen Dingen, so vieles an mir liegt, die Wahrheit zureden.

Alle, die nach dem Beyspiele Voltairens und Rous,seauens unaufhörlich gegen die Religion schreyen, und dieWelt mit jeder Art von Gräuel und Gottlosigkeiten in derGlaubens-und Sittenlehre anstecken, führen die gleicheSprache von der Duldung. Alle reden nur von der fried,fertigen und nachsichtigen GemüthSart in der Weife, nachwelcher die Menschen denken, schreiben, oder reden mögen:und alle geben uns augenscheinliche und überzeugende Beweisevon der Wahrheit des Sahes an die Hand, den wir vor,getragen haben; nämlich: daß die Duldung, worauf sie sichberufen, nichtS anders, als eine schändliche Ausgelassenheitsey, um die verdaminlichsten Gottlosigkeiten ungestraft aufdie Bahne zu bringen, und in die Wett auszustreuen.

Sie verbergen sich noch mit jener häuchlerischen Masse,worunter sich jene verbargen, die vormals Jesus Christusausgezeichnet hat, da er sprach: Sie kommen zu euch,mit Schafefellen bedecket, und im Grunde des Herzenssind sie lauter reißende Wölfe. Denn es ist rathsam an,zumerken, daß jene sanftmüthigen und mitleidigen Fürspre,cher der Duldung sechsten die ungestümsten und hartherzig,

^ steu