Druckschrift 
1 (1777) A - L
Entstehung
Seite
336
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zzL Duldung.

Damit sie ihre verkehrten Absichten besser verbergen, undleichtsinnige oder seichte Gemükher gewisser hintergehm mögen,betheureu sie beständig ihre aufrichtige Ehrfurcht gegen dieReligion ; sie wiederholen, sie beschreiben mit Gefälligkeitden Geist des Friedens, der Sanftmuth, der Nächstenliebe,den sie eistflößst; sie sprechen nur von der zärtlichen Verbin-dung , in welcher alle Menschen, als Brüder, sich einan-der betrachten sollten. Vermöge dieser schönen Gesinnungenfinden sie nichts, was von größerer Wichtigkeit und demGeiste der Religion gleichförmiger wäre, als die Duldung.Sie verlangen, sie rachen dieselbige, als eine Sache, dienicht allein billig und vernünftig, sondern auch wahrhaftgottselig und christlich ist. Sie versichern, daß man vonallein, was sie sagen oder schreiben, niemals eine böse Wir-kung fürchten döcfe. Glaubet mir, saget einer jener gut,herzigen Vertheidiger der Duldung: * man muß niemalsfürchten, daß eine philosophische Meynung der Religionschaden könne. Unsere Geheimnisse mögen immer gegenunsre Beweisungen streiten ; sie werden deßhalben vonunfern Philosophen nicht weniger verehret, weil sie wohlwissen, daß die Gegenstände der Vernunft und des Glau-bens von verschiedener Beschaffenheit sind. Sie ziehen li,stiger Weise nur ein kleines Zipfelchen von der Decke derHäucheley vor ihr Gesicht; sie geben zu, daß eine Religionnorhwendig fty; sie lassen etliche nichts bedeutende Wortevon der Nothwendigkeit einer Religion entfahren; sie neh-men manchesmal den Schein an, als wenn sie die Religionverehrten.

Unter diesem politischen und häuchlerischen Scheine stel-len sie sich, so gut sie können, in die Sicherheit; sie greifen

alle

* Dvltair. vermischt. Schrift, r?. Rap.