Duldung. zzs
Gesinnungen cinzusehen. Man findet bald an ihnen einenausnehmenden Geschmack zur Unabhängigkeit; eine großeGleichgültigkeit gegen die Religion, und noch etwas mehrals Gleichgültigkeit; einen unbezwinglichen Abscheu, sichden billigen, aber beschwerlichen Pflichten zu unterwerfen,welche sie vorschreibt; einen beständigen Widerstand gegenihre Gewalt, die ihnen schwer fällt, und die sie sich bestreben,verhaßt oder verächtlich zu machen; eine freche Entschlossen»heit, alles aufdie Bahne zu bringen, was ihnen eine aus,gelassene Einbildung und unbezäumte Leidenschaften, oder ge«gen die Religion, oder gegen die Sitten / oder gegen die ehr,würdigsten, nützlichsten, nothwendigsten Tugenden für dieGesellschaft, eingeben können; einen hochmütigen Freygeistim Herzen und im Gemüthe, welcher nicht vertragen kann,daß man ihm widerspreche, oder Vorstellungen mache; end,lich einen hassenswürdigen Geist der Verführung , welchernichts anders suchet, als ausgestreuet, ausgebreiret, andernmitgetheilt zu werden.
Dennoch höret man sie beständig von Sanftmuth predi»gen, welche sie zwar für sich fodern, aber keineswegs gegenandere haben. Sie stoßen die zärtlichsten Seufzer aus,über die Fessel, die man der Vernunft anlegen will; überdie Verletzungen, die man den geheiligten Rechten der Frey,heit zufüget; über die Hindernisse, die man der Vollkommen,heit und der Aufnahme der Wissenschaften in den Weg leget;über die Blindheit des Fanatismus, der gegen die Philoso,phen sich ereifert, welche doch, wie sie sagen, nur beschäss-tiget sind, die Wolken der Vorurtheile zu zerstreuen, unddas Licht auszubreiten; welche man allein für wahre Weiseund für Wohlkhäter des menschlichen Geschlechtes ansehensollte.
Damit