Christcntbum. i6r
der Liebe wesentlich gebühren: so lenket er dennoch niemalsetwas zu seiner Ehre, seiner Befriedigung, seinem eignenNutzen hin. WeH er aus dem Schooße Gottes entsprungen,ist er über die Menschen allzu sehr erhaben, als daß er aufDinge achten sollte, wovon die Menschen gerühret würden.Er saget uns auch, *daß sein einziges Vergnügen sey, denwillen seines Vaters zu vollziehen, und daß er allein be-sorget sey, die Ehre dessen zu befördern, der ihn gesen»det hat.
Welche Mäßigung, welche Sanstmuth zeiget er gegenjene, die ihn mishandeln, oder die ihn mit Schmachen undVorwürfen beladen! Welche Weisheit liegt in den Antwor,ten, die er auf die hinterlistigen Fragen seiner Feinde giebt!Man urrheile davon nach jenen, die er gab, als er über denTribut, den man dem Kaiser zahlen mußte, ** über das Ge,setz der Ehescheidung, über das Betragen gegen dieEhebrecherinn, über die Glaubwürdigst seiner Sen,düng, über das Schicksal eines Weibes im zukünf«tigen Leben, wenn es in diesem Leben mehrere Männer ge-habt hätte, befraget worden ist. Das Evangeliumist voll dieser Antworten, an denen man eine Weisheit, ei,ne Bescheidenheit, einen Scharfsinn, eine Beleuchtung ge-wahr wird, die man von Menschen nicht erwarten konnte,und die genügsam zeigen, daß jener, der sie gab, etwasmehr als Mensch war, und daß er etwas Göttliches an sichhatte.
Was für Ausdrücke müssen wir wählen, um seine Ge-duld in den Peinen, Schmachen, und Beschimpfungen zu
schil,
* Joh. VIII. «« Matth, xxil. Ebend. XIX.
*'*' Joh. Vlll. «««« Matth. XXI. *"«»'» Ebend. XXII.
I. Band. L