Druckschrift 
1 (1777) A - L
Entstehung
Seite
160
Einzelbild herunterladen
 

i6o Christelithmn.

mitleidig ist ec über die Züchtigungen, welche das hartsinni- ,ge Ierusalem, zur Strafe seiner Blindheit und seiner Laster, jerfahren soll. .

Damit wir aber die ganze Schönheit seines Herzens voll»kommen erkennen mögen, dürfen wir nur die letzte Rede le,sen, die er des Abends vor seinem Tode an seine Apostelhielt, und die man für den letzten Willen seiner Liebe betrach-ten kann. Da er sie anredet, scheint er zu vergessen, daß erihr Herr und ihr Gott ist- Er spricht mit ihnen nicht an-ders, als wie ein Bruder, und wie ein Freund; abe^wieein Freund, dessen ganze Zufriedenheit und Freude darinnenbesteht, daß er sein Leben und sein Blut für sie geben, daßer ihnen seine Glückseligkeit, seine Glorie, und auf gewisseWeise alles Eigenthum seiner Gottheit mittheilen kann. Dereinzige Vorzug, den er noch vor ihnen hat, ist dieser, daßer der Ursprung ihrer ganzen Glückseligkeit ist, gleichwie seineinziges Verlangen dieses ist, daß er ihnen so viel Gutes er-weisen möge, als sie, in der Eigenschaft als einfache Ge-schöpfe , Gutes zu empfangen fähig sind. Nein! also kön,nen Menschen nicht denken, empfinden, und sich ausdrü»cken: da ist alles über die Menschlichkeit hinaus; alles istgöttlich.

Seine Tugenden.

Wie werden wir dann erst seine Tugenden abbilden kön»nen? Die erhabensten, die heldemnüthigsten, die reinestsnTugenden sind alle in ihm mit einem Glanze, der in seinerArt ganz einzig ist, vereiniget. Wahrhaft reine Tugenden!

Er suchet niemals in einein Stücke seine Ehre. Obschoner der einzige Sohn Gottes, der König des Himmels undder Erde ist; obschon ihm in dieser Eigenschaft alle Dienst-leistungen deö Lobes, der Ehrfurcht, des Gehorsams, und