162 Chrifttlühum.
schildern, unter welchen er sein Leben auf Erden beschloß,und durch seinen Tod das große Werk der Welterlösung voll,brachte? Mitten unter diesen Peinen und Beschimpfungenentfiel ihm kein Wort, welches entweder die Kleinmürhigkeiteiner niedergeschlagnen Seele, oder den Widerstand einesGersteS verrieche, der sich aus Stolze oder Verzweiflung ge-gen unmeidbare Leiden sträubet. Erlitt, als ein ergebenesund demükhigeö, aber zugleich freyes Schlachtopser, welchesuns lehren wollte, wie weit unsre Ehrfurcht gegen die Ver-ordnungen Gottes, und unsre Liebe zur Tugend gehen soll.Nein! Menschen leiden und sterben nicht also: und mankann sich nicht entbrechen zu erkennen, daß Jesus Christusals Gottmensch litt und starb.
Da man alle diese Züge in der Person des Stifters desChriftenthums vereiniget sieht: herrliche Weissagungen, dieihn verkündigen, ein ganz wundervolles Leben, bewunderns-würdige Tugenden, die reineste Sittenlehre, so lehrreicheBeyspiele, ganz göttliche Unterweisungen; kann man nochJesum Christum bloß für einen Menschen ansehen? Kannman sich embrechen zu erkennen, daß er wahrhaftig Gottund Gottes Sohn sey, wie er es allezeit bezeuget hat? Undwenn er wahrhaftig Gott ist, wie sott man die Religion be-trachten , die er der Erde geschenker hat? Wenn er wahr,hastig Gott ist, soll uns nicht der Schauder ergreifen, dawir die Gotteslästerungen hören und lesen, womit die ver-dammlichen Werke unsrer Philosophen gegen seine Personund seine herrliche Religion angefüllet sind ?
Den Mahometanern würde die Ham schaudern, wennsie unter ihnen von Jesu Christo reden höreten, wie diese ab-trinnigen Philosophen unter uns von ihm sprechen. DieUngläubigen könnten auch den eifrigsten Christen zur Richt-schnur