Druckschrift 
1 (1777) A - L
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

;4 Atheist.

ten und aus seinem Wandel geschienen, daß er in Dingen, so

die Religion betrafen, unbkdachtsam genug dareingieng.

Der starrsinnige Spinoza hat beynahe, wie ein Wilder,gelebet: er war weder tauglich, noch aufgelegt, sich in par»teyliche Streitigkeiten, oder Staatsgeschaffte einzumengen;und er sah alles mit ziemlicher Gleichgültigkeit an. Dasheißt ihm kein sehr großes Lob beylegen, wenn man saget, daßer die Witte mchk ermordet, und auf dem Roste gefressenhat.

Was das Wortspiel bey der Vergleichung des Fanatis-mus mit dem Atheismus betrifft, so könnte ein vernünftigerMann diese Anmerkungen darüber machen.

1. Die Gottlosen und die Frcygeister stellen allezeit dasgroße Wort: Fanatismus, als das abscheulichste Schreck,bild der Tugend und Vernunft vor. Dieses ist ihre Kriegs-losung: es ist ihr Lieblingswort, welches sie bey jedem Vor-trags gebrauchen. Alles, was in den Augen des vernünf-tigen Mannes Religion ist, scheint Fanatismus in den Au-gen des Freygeistes. Dieses Wortes bedienet er sich, um alleNebel auf der ganzen Welt zu bezeichnen, und dadurch glau-bet er zu Stande gebracht zu haben, daß er die Religion ver,Haßt machen könnte.

2. Aber laßt uns von diesen Gottlosen begehren, daß siebestimmen sollen, was Fanatismus sey. Alles, was sie wer-den sagen können, ist dieses, daß er ein übertriebener, blin-der, und unsinniger Religionserfer sey, welcher durchseineAusschweifungen und seine Blindheit zu sehr vielen Lasternfähig machet. Wir lassen ihnen diese Bestimmung hinge-Heu. Allein, wenn es einen übertriebenen und blinden Eifergicbt, so kann es auch einen gemäßigten, klugen , und ein-stchrvollen Eifer geben: einen Eifer, welcher eben so nolh-

«ilil

Ol

1

»

s-

«

l«

I«

N