Atheist. ' 2s
man einen deutlichen Begriff, um zu wissen , was derGeist, der Gedanken, die Kraft der Bewegung, die Weise,nach welcher die Seele mit dem Leibe vereinigst ist, die Weise,nach welcher die Hülfsglieder der Sinne auf die Seele wirken,oder dieSeele zu wirken antreiben, seyn mag? Unterdessen läßtes sich an der Wirklichkeit dieser Sachen nicht zweifeln, ob,schon man von ihnen keine deutlichen Begriffe hat. Es ist danneben so wenig ein Beweggrund, deßhalben an dem DaseynGottes zu zweifeln, weil man von Gotte keinen deutlichenBegriffhat. Wir haben von Gott einen zulänglichen Begriff,um sein Daseyn zu behaupten; er ist aber nicht deutlich genug,um alles, was er ist, vollkommen zu erkennen.
Ihr beklaget euch, daß ihr nicht begreifen könnet, wasGott ist; dieß ist eben so viel, als wenn ihr euch beklagtet,daß ihr nicht alles Wasser aus dem Weltmeere in ein kleinesGeschirr fassen könnet. Gott wäre nicht, was er ist, undihr — ihr wäret nicht, was ihr seyd, wenn ihr ihn vollkom,men erkennen, und begreifen könntet. Messet ihn nicht nacheuch; messet euch nicht gegen ihn: Er ist zu groß; und ihr —ihr seyd allzu klein dazu.
Ihr findet, daß die Vollkommenheiten dieses höchstenWesens nicht beysammen bestehen können: aber ist euerUrtheilrichtra ? ist es vernünftig ? riecht es nicht ein wenig nach Hoch,wuchs undVermessenheit? Aus allen jenenVollkommenheiten,die man an Gott erkennet, ist keine, die einem unendlichenWesen nicht zustünde. Es ist nicht widersprechend, daß diesesunendliche Wesen eine unendliche Allmacht, Weisheit, undEckenntniß hat: cs ist nicht widersprechend, daß es ftey undein unbeschränkter Herr nach seinem Willen, daß es zugleichvon aller Veränderung befreyet ist; denn die Veränderungmuß allezeit von einer Unvollkommenheit Herkommen: es ist
B Z nicht