Aberglauben. 9
fäßchens erschrecken; wenn sie mehr wollen, daß ein Lei,chezug am Freytags gehalten werde; wenn es ein Magd,chen für eine gute Vorbedeutung hält, daß die erste Per,son, die ihr am ersten Tags des Jahres begegnet, nichtvon ihrem Geschlechts ist; so kann man dieses mitleidigansehsn: aber man darf sich darüber nicht ärgern, undman muß deßhalben nicht mit Voltaire» ausrnfen, daß derAberglauben der fürchterlichste Feind des menschlichenGeschlechtes sey. *
Die Schmähreden wider den Aberglauben haben fastallezeit etwas von Gottlosigkeit an sich: denn man ver,mischet unter dem Namen von Aberglauben viele Gebraucheund Satzungen, welche oder von der Religion vorgeschrie-ben sind, oder ans der Religion hergeleitet werden, odernichts an sich haben, was nicht mit dein Geiste der Reli-gion gleichförmig wäre. Die Gesellschaften zu ttebungendcrGottseligkeit, der Zulauf bey den Altären , oder in berühm-ten Kirchen der seligsten Jungfrau, öffentliche Kreuzgängs,dis Anrufung gewisser Heiligen, eins einfachere, oder gerin-gere Weist in dem Anzugs, oder in der Kleidung, sind Din-ge, welche allezeit mindestens eine mittelbare Verbindungmit dem höchsten Wesen haben. Freygeister mögen sich einenGegenstand zum Scherzen daraus machen: aber man darfsich nicht wundern, wenn Freygerster, wie Freygeister reden.Gewiß ist es, daß alle diese Dinge aus sehr reinen undgottseligen Absichten geschehen, und daß sie denen, die sievollziehen, sehr nützlich ftyn können: gewiß ist eS, daß esallezeit eine Gattung von Gottlosigkeit ist, wenn man siefür Aberglauben ausgiebt. Diese Bosheit und Gottlosig,
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^ Gedank. von der sffcnU. Negier.