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Aberglaube«.
Zweytcr Artikel.
Wo man erkläret, was Aberglauben sey, und wasden Namen von Aberglauben verdiene,as ist dann der Aberglauben? Der Aberglauben be,
steht, in Uebungen, Beobachtungen, und Lehrsätzen,die man für wahrhaft, gottselig, nützlich, oder nothtvm«big halt, welche dennoch Gott nicht eingeftßet hat, und dieer weder genehm halten , noch gutheißen kann. Die Altenhaben den Aberglauben durch diese zwey Worte bestimmet:Vana I^eliZio, eitleGottseligkeit; oder vielmehr: eitle Amdächrcley; das ist, welche ohne Grund, ohne Noth, undohne Nutzen ist. Damit wir diesen Entwurf klärer aus ein»ander legen können, wollen wir untersuchen, was die Ur-sachen, und was die Wirkungen des Aberglaubens seyn.
i. Wenn wir erforsche!?, was die Ursachen des Aberglatt»bene seyn, so finden wir Augenblicks, daß er kein Laster desHerzens ist, und nicht aus Bosheit hcrkömmt. Er entspringtnur von einem Mange! der Einsicht im Verstände, und voneiner schlechten Auserziehung. Aus Mangel der Einsicht imVerstände kennet man weder die Religion, noch den Geist derReligion : man weiß nicht, was die Weisheit und die Heilig«keit der göttlichen Gesetze sty, oder was für einen Endzweckder Herr gehabt habe, als er sie vorgeschriebe» hat. Alleinda die Einbildungskraft, von der Majestät, der Macht, unddem Ansehen des Gesetzgebers gerühret, seinen Willen undseine Gesetze zu verfehlen fürchtet, oder seine Gunst zu erwer»den suchet, oder ihn besänftigen will, wenn sie ihn beleidigetzu haben glaubet, sinnt sie sich Schattenbilder aus , welchesie für schicklich hält, sie zu ihrem Endzwecke zu leiten: siemachet eine verkehrte Auslegung von Dingen, die auf die
A z
gültig.