Lxxn Philosophischer GeistWeisen, daß die Einsamkeit, daß eine aufrichtigeLiebe zur Religion, von ihr die größeste Hoffnunggeben, und ihren wahren Ruhm, ihr angenehm,sies Vergnügen ausmachen werden? Wen habensie denken gelehret? Etwa das Frauenzimmer, beywelchem die Eitelkeit und die Liebe zur Wohllust al,les Denken verschlingt ? welches größere Achtungund Ehrbezeugung zu verdienen glaubet, wenn eseine gekünstelte Sprache und gezwungene Geberdenannimmt ? welches in seinem Begehren, in seinemVerlangen, in seinen Wünschen oft keinen andernBeweggrund, als den Eigensinn, kennet? Habensie das Frauenzimmer gelehret, daß für dasselbenichts schmäuchelhaster sey, als wenn es die Ehr,barkeit mit der Anmuth, und eine angenehme, rei-zende , und allezeit einnehmende Lebhaftigkeit mitden wahren Tugenden und mit der Vernunft ver,einiget?
Die Philosophen haben die Menschen denkengelehrei! Und was ist die Frucht ihrer Lehre, ih,rer Grundsätze, ihrer Unterweisungen? Manschließe davon aus dem, was man Heut zu Tagein der Gesellschaft sieht, beobachtet, antrifft. DieVerachtung der Religion, die Verblendung derVernunft, der Umsturz der sittlichen Grundsätze,die Verbannung der gesellschaftlichen Tugenden,dasAnsehen und beynahe die Obergewalt der Ruchlo,sigkeit, die allgemeinere Ausbreitung der Laster vonjeder Art, weil sie schicklicher verhüllet sind; diese
sin-