Lxvi Philosophischer Geist
womit man seinen Schriften nachjaget, mehr derAnmmh seiner Schreibart, als den Gesinnungendes Gemüths und des Herzens seiner Leser zu dan-ken ? Aber ist dieser Trieb ein wahrer Beweis sei-nes überlegenen Verstandes, und einer richtigenBeurtheilung bey seinen schwärmerischen Bewun-derern ? Laßt uns untersuchen, laßt uns die Sacheentwickeln, ehe wir ein Urtheil fällen.
Was ist tauglicher, die menschliche Bösartzu reizen, Herzen, die schon verderbet sind, zu ergä-hen, die Neigungen zur Freydenkerey und zur Ruch,losigkeit zu begünstigen, endlich alle Leidenschaften,das ist, alle fürchterlichsten Feinde der Vernunftund Weisheit, zu vergnügen; was ist tauglicherdazu, als verleumdrische, satyrische, ausgelasseneSchriften, worinnen nichts, was immer heilig ist,in Ehren gehalten wird ? Was ist tauglicher dazu,als Werke, worinnen man unverschämt allesaufdie Bahne bringt, was der Geist der Satyre, derSpötterey, der Unwahrheit, der Verleumdungersinnen und einblasen kann; worinnen man wederMacht, noch Rang, noch Würde verschonet; undwo man alle wichtigste Grundsätze, Lehren, undWahrheiten, im bürgerlichen, sittlichen, und geist-lichen Leben, mit Dunkelheit umhüllet, oder aufdie unanständigsteWeife verunstaltet? Allein nimmtsich das Haupt und das Orakel der Philosophenunserer Zeiten nicht eben durch diese unseligen Ta-lente vorzüglich aus?
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