Lot« de»Geistlich-keit.
xxxiv Philosophischer Geister nicht begreift, Dinge, die man in Ehren zuhalten gewöhnet war, tadeln, verdächtig machen,verdammen, lächerlich vorstellen. Da bleibt derPöbel bey der Philosophie in der Betrachtung nichtstehen; er fängt sogleich an, die Philosophie in derUeblmg auszuführen. Er findet, daß cs ange,nehmer ist, nach seiner Willkühr zu leben, sich kei-nen Zwang anzmhun , sich alles mögliche Wohl-seyn zu verschaffen. Ec vermißt sich, jene zu ver-höhnen , welche noch glauben; er fraget sie nachseiner groben Weise: „Hast du es gesehen ? Wer hat„ es dir gesagek,, ? und wirft andere Spottreden undFragen von dieser Art auf. Diese Sprache warehemals unter dem Pöbel durchaus unbekannt;heut zu Tage wird sie ganz gemein: man höret siein den Werkstätten, auf den Straßen, ja sogarauf dem Lande, welches vor Zeilen die Freystätteder Unschuld und der guten Sitten war, und wel-ches der philosophische Geist auf gleiche Weise mitseinem Geifer angesteckt zu Haben scheint.
WaS aber, noch mehr als alles übrige, er-staunlich scheinen muß, ist dieses, daß selbst dasHeiligthum nicht ganz davon frey geblieben ist. Wieviele Männer trifft man heut zu Tage nicht an, wel-che, unter dem Kleide der Frömmigkeit, dennochals wahre Freydenker leben! Wie viele Männer,welche die Macht und das Reichthum, so sie be-sitzen , nur den geheiligten Rechten der Religion zudanken haben, und derer Denkensart und Sitten
eben