xxxn Philosophischer Geistnünftig und behutsam in ihren Reden; sie suchetkeinen andern Ruhm, als jenen, den sie durch dieSittsamkeit ihres Wandels und die treue Erfüllungaller ihrer Pflichten erlangen kann.
Sehr vielen Frauen unsererZsiten ist der Ruhm,Philosophinnen zu heißen, wie wir gesaget haben,weit angenehmer. Nichts halt man für schöner,als wenn man aus sich selber denken, alles beurrheirlen, über alles den Ausspruch geben kann. Ver«mittelst etlicher philosophischer Schriften glaubetman im Stande zu seyn, von Gesehen, Geschich«te, Religion, Sitkenlehre, Pflichten, kurz! vonallem zu reden: man redet auch wirklich davon;aber wie redet man davon? Gleichwohl geben dieStußerchen ihren Beysall dazu; andere Fcauen bre,chen, ungeachtet ihrer Eifersucht, in Lobsprücheaus: die philosophische Dame ist mit sich sechstenrecht wohl zufrieden; sie dünket sich weit höher,als die übrigen Personen von ihrem Geschlechts;und mir einer Scharteke in der Hand, trägt siekein Bedenken, die Rolle eines Kritikers, einesGesetzgebers zu spielen.
Wer möchte wohl ausdrücken, wie rührend undberedtsam diese Philosophie sey, wenn sie, mitAnmuth gczieret, von dem Munde des schönen Ge/schlechtes herkömmt, welchem man so viele Höflich-keit , Nachsicht, und Achtung schuldig ist? wievielen Frauen bringt sie die Begierde bey, eben sowohl Philosophinnen zu werden? wie viel mehr
Nach-