unserer Zeiten. xxvnnicht aushalten können. Es ist heut zu Tage dieallgemeine Klage der Nation, daß weder Treue inden Verheißungen, noch Rechtschaffenheit im Be-tragen , weder Wahrheit in den Worten, nochRedlichkeit in den Gesinnungen mehr zu finden sey.Die bereitfertigsten Dienstrrbiethungen, die zärt-lichsten Versichrungen der Freundschaft, die Be-theurungen, welche die aufrichtigsten, die Vertrau-lichkeiten , welche die geheimsten und wichtigstenscheinen, muß man, als eben so viele gefährlicheFallstricke, fürchten. Man kann sich nicht anderssicher stellen, als durch das übertriebenste Mis,trauen, welches den Gesinnungen einer redlichenSeele so sehr widerstrebet, und für einen Men,schm, -er die Annehmlichkeiten kennet, welche manin der Gesellschaft kosten könnte, aber itzt nichtmehr antrifft, die betrübteste Sache ist.
Man hat in allen Handlungen, Entwürfen,und Geschäfften mit seines Gleichen keine andere Ab-sichten mehr, als den persönlichen Vortheil. DerPrrvatnntz schlingt Redlichkeit, Ehre, Billigkeit,Rechtschaffenheit, und alles ein. Er läßt, außerder betrieglichenMaske von diesen Tugenden, nichtsmehr zurück; und unter dieser Maske tritt man ebenso zuversichtlich auf, als man mit den Tugendenselbsten thun würde. Man zieht aus der Verstel-lung Nutzen, um andere zu hintergehen, und manweiß sich mit seiner Fertigkeit und seinem Glückegroß, nachdem man die heute hintergegangen hat;