Druckschrift 
Wissen, Glaube und Ahndung
Entstehung
Seite
153
Einzelbild herunterladen
 

Glauben

_ r*

zu Grunde, dass es dem Tugendhaften nichtzukomme, unglücklich zu seyn, dass Un-glück und Tugend nicht beysammen seynsollen. Dies ist unbestreitbar; der Tugendhaf-te sollte nie unglücklich, aber eben so wenigglücklich, er soll bedürfnislos seyn, seinDaseyn wird ihm nie zur blossen Erscheinungwerden, und seine Glückseligkeit könnte nurals absolute Glückseligkeit, als Seligkeit beyGott gedacht werden. Selig zu seyn kommtaber dem Menschen nicht zu, wiewohl er sichzuweilen über das Glück erheben kann, flenneben ihm fehlt jene heilige Tugend, keine'Tugend ist mangelhaft, und also dem Un-glück angemessen.

Für die Menschen bliebe also keine Ver-theilung übrig, als die nach den Graden derTugend in der Natur. Hier aber ist es ebendas höchste Glück recht stark in der Tugendzu erscheinen, wer es aber wirklich mehrals der Andere ist, wird keiner sich zu beur-theilen unterfangen, hier müssen wir demHerzenskündiger inDemuth das Urtheil über-lassen , denn selbstfkeinerN, kennt'sich selbst .Es ist also nur nach menschlicher \V eise ge-redet^und geht die ewige Gerechtigkeit nichtan , wenn wir von dem einen sagen; er ver-dient