Druckschrift 
[1] (1838)
Entstehung
Seite
143
Einzelbild herunterladen
 

143

Stillen ins Gesicht und sie vermochte nicht mehr, auchnur einer einzigen Leidenschaft den Zügel anzulegcn. Was thut sie denn? Ich rede kurz: sie gicbt unshöchstens zerrissene und verfälschte Wahrheit, cingc-hüllt in ein Gewand der Phantasie, welches einigeJahrhunderte hindurch das Ansehen eines Heiligthumcstrug! Und gicbt sic mindestens diese trügerische Wahr-heit deutlich und klar? Nimmermehr; denn sehen Sie,meine Herrn, in alle jene Werke, welche diesenGegenstand behandeln! Selbst mit der äußersten Ge-lehrsamkeit vermag man nicht, ein sicheres Resultatsich zu gewinnen , und was darin der Eine gebaut,das reißt der Andere wieder ein! Jedoch gicbt viel-leicht etwa das Gewand, das schöne Kleid der Sacheihren köstlichen Werth? Ist cs vielleicht von Gold-vder von Silberstoff? Nichts weniger! Zwar glänztcs allerdings; aber auch der Schmutz kann glänzen,und mag denn da und dort eine physische, oder me-taphysische Lehre sich darin verstecken, wie ein Mariusim Sumpfe, was hilft es mich, was hilft es dieseSchüler hier, wenn dann das Ausscnwcrk nur Prahle-rei und Mord, nur Lügen, Ehebruch und freches,thörichtes Wesen selbst an göttlichen Naturen zeigt?Wird nicht durch dieses der Knabe frühe schon mitDingen bekannt, die ihm noch lange verborgen bleibensollten? Und muß ihm nicht die Ehrfurcht vor derGottheit überhaupt auf's traurigste geschmälert undverkümmert werden? Ich glaube: ja! Man täuscht