polationen wird nicht abgeläugnet werden können, dass der primi-tive Zustand, wie er im Vendidad erscheint, für ein bedeutendesAlter desselben spreche, Das Volk war kaum aus dem Nomaden-leben herausgetreten, der Ackerbau muss ihm noch als etwas beson-ders Verdienstliches angepriesen werden. Die Getreidearten, dieman baute, scheinen die einfachsten gewesen zu sein, doch verstandman nach Farg. VII. 93 bereits, sie auf verschiedene Weise zuzu-richten. Von den Haustbieren wurden besonders Pferde, Ochsenund Kühe, Kameele, Ziegen und Schaafe gehegt (cf. Farg. V. 152),vielleicht auch Vögel. Wölfe sind häufig, sie streichen herum undmachen das Land unsicher, das offenbar noch sehr wenig bewohntist, man kann weit gehen, ohne auf einen Menschen zu treffen.Auch die genauen Reinigkeitsvorschriften', welche zu geben derGesetzgeber sich genölhigt sieht, scheinen auf die niedere Bildungs-stufe des Volkes hinzuweisen. Von Städten findet sich nichts undda es noch keine Klasse der Gewerbtreibenden gab, sondern nurPriester, Krieger und Ackerbauer, so ist es klar, dass das Bedürf-iss zur Städtegründung noch nicht erwacht war. Von wissen-schaftlichen Bestrebungen wird blos die Heilkunde erwähnt unddiese scheint sich, nach Farg. VII. 94 ff. zu schliessen, auf chirur-gische Operationen beschränkt zu haben, für innere Leiden scheintman Gebete und Zauberformeln für kräftig gehalten zu haben (ibid.118—120). Die eben angezogene Stelle aus dem siebenten Fargardist übrigens auch in anderer Hinsicht merkwürdig. Sie lehrt uns,dass die Mazdayaqnas damals in einem Lande lebten, in welchemihre Religion nicht die allein herrschende, wenn auch vielleicht dieregierende war, und dass die im Vendidad häufig erwähnten Daeva-.Verehrer nicht blos in der Theorie, sondern in der Wirklichkeitexistirten 1 ). Auch noch andere Umstände weisen darauf hin, dassdie Zarathustralehre, wenigstens in der Form, wie sie der Vendidadvorschreibt, damals als dies Buch geschrieben wurde noch niehtüber alle iranischen Lande verbreitet gewesen sein könne. Dererste Fargard nennt ausdrücklich (I. 28. 63) an zwei Orten, die wirdoch gewiss zu den iranischen rechnen dürfen: Ragha und Ni§ä,Zweifel, d. h. Unglauben, als die Plagen, welche Agra-mainyus überdieselben verhängt hat. In Ilaraqaiti, das doch gleichfalls zum iräni-
1) Auch Farg. XV. 6 darf vielleicht als ein Beweis der aus Daevayayuasund Mazdaya^nas gemischten Bevölkerung angesehen werden.