Zweiter Fargard.
69
und zweiten Fargards an. Von den drei Bruchstücken ist aber daserste die Bevölkerung der Erde in drei Driltheilen. Hierbei machtRhode aufmerksam, dass es auffallend sei, dass hier die Erde in dreiDrittheile getheilt werde, da sonst nur immer von sieben Keshvarsdie Rede sei (I. c. p. 73 not.). Das zweite Bruchstück ist die Ver-herrlichung Airvana-va&jas durch die Gegenwart Yimas und Ahura-mazdas; das dritte endlich der Befehl den Vara zu bauen.
Etwas anders scheint R. Roth die Sache zu fassen, indem er(1. c. p. 418) blos zwei Abschnitte annimmt und den zweiten Ab-schnitt bei Rhode blos als einen Uebergang auffasst.
Bei dem fragmentarischen Charakter des Capitels, bei unsererUnbekanntschaft mit altpersischer Anschauungsweise, wird es kaummöglich sein, jemals die leitenden Gedanken unwiderruflich festzu-stellen. Die nachfolgende Ansicht gebe ich daher nicht für Gewiss-heit sondern für das mir selbst Wahrscheinlichste. In der Note zuFarg. I. §. 6 ist das Nähere über Airyana-vaeja beigebracht wordenund die aus dem Minokhired angeführte Stelle zeigt uns, dass diesesAiryana-va6ja nicht mit dem neueren Iran zu verwechseln sei, viel-mehr ein fabelhaftes Land bezeichne. Nun sagt dasselbe Buch aus-drücklich, dass der Var des Jemschid in Airyana-vaeja liege (cf.meine Pärsigrammatik p. 140. 171). Nehmen wir nun an, dass die-selbe Ansicht auch schon in alter Zeit bestanden habe, so schliesstsich meines Erachtens der zweite Fargard genau an §. 6 des erstenFargard an, er giebt uns einBild wie glücklich das Leben in Airyana-vaßja war, bevor Agra-mainyus die Plagen des Winters dorthin ge-bracht hatte. Ahura-inazda vermag jedoch dieses ursprüngliche Glücknicht zu erhalten, er räth daher dem Jemschid einen Vara, d. i.Garten 1 ), zu machen — einen mehr eingeschränkten Raum, wohinnur Auserwählte zugelassen werden und wo Agra-mainyus das Glücknicht zu stören vermag, der Gedankengang des ganzen Stückes wäredann in Kürze der folgende:
Zarathustra fragt den Ahura-mazda: mit wem von den Men-schen er sich vor ihm über das Gesetz unterredet habe? Ahura-mazda antwortet, mit Yima, den er zur Verkündigung des Gesetzesaufgefordert habe. Diesen Auftrag habe Yima abgelehnt, einer zweiten
1) Dies ist wol unstreitig die Bedeutung des Wortes vara, die Wurzelvri bedeutet im Sanskrit „umgeben“, das Subsl. vara also einen umgebenen,umzäunten Ort. Ganz ähnlich im Hebräischen ",s von