ZWEITER FARGARD.
EINLEITUNG.
Das zweite Capitel ist wol ebenso wenig als das erste demeigentlichen Vendidad ursprünglich zugehörig. Der eigentliche In-halt desVendidad ist wol ohne Frage der: gesetzliche Bestimmungengegen Verunreinigungen zu ertheilen, von solchen Bestimmungenaber findet sich im zweiten Capitel so wenig als im ersten eineSpur;wahrscheinlich ist dasselbe ein Fragment aus einem anderen mytho-logischen oder historischen Werke, das sich bei dem allgemeinenUntergänge altpersischer Schriften erhalten hat und das man späterdem Vendidad einverleibte, weil man ihm eben keinen anderen Platzzu geben wusste. Das vorliegende Bruchstück altpersischer Helden-sage ist aber darum nicht minder wichtig für persische sowol alsindische Urgeschichte. Es hat darum auch längst eine vorzüglicheBeachtung erfahren und Rhode, Ritter, Bopp, Lassen, Roth 1 ) habender Reihe nach dasselbe erörtert, theils rücksichtlich seines innerenZusammenhangs, theils wegen seiner Verwandschaft mit indischenSagen. Was den letzten Gegenstand, so wie die Geschichte der Yima-sage in Persien betrifft, so sind diese Punkte in der Einleitung ausführ-lich besprochen worden und es bleibt uns hier blos der innere Zusam-menhang zu erörtern. Was nun diesen betrifft, so hat zuerstRhode überdenselben gesprochen und geglaubt unser Capitel in drei Bruchstückeauflösen zu müssen. Auch er nimmt einen Zusammenhang des ersten
1) Rhode: die heilige Sage des Zendvolks, p. 62ff. Ritter, Asien, Bd. VIII.p. 27 ff. Bopp, Nalus, p. 203 (ed. 2). Lassen, ind. Alterthnmsk. I. p. 516—10.R. Roth, Zeitschrift der deutschen morgenl. Gesellschaft, IV. p. 417—33.