aber ganz entgegengesetzte Beurtheilungen. Das Buch wurde vonder einen Seite mit enthusiastischem Beifalle, von der anderen mitTadel aufgenommen. Besonders bitter waren die Angriffe welchedas Werk von England aus zu erfahren batte, wobei aber persön-liche Motive mit in das Spiel kamen. Anquetil hatte in seinem dis-cours preliminaire die Persönlichkeiten einiger englischen Gelehr-ten, mit welchen er in Berührung gekommen war, auf eine nicht zurechtfertigende Weise lächerlich zu machen gesucht. Dass sie sichdarüber verletzt fühlten war erklärlich, aber keinenfalls ist zu ent-schuldigen, dass man das Werk entgelten lassen wollte, was derUebersetzer verbrochen hatte. Noch im Jahre 1771 erschien einekleine französisch geschriebene Broschüre 1 ) von dem damals nochsehr jungen W. Jones, theils für seine oxforderLehrer undFreunde,theils aber auch um den französischen Uebersetzer des Avesta alseinen Mann darzuslellen, der sich auf das gröblichste habe täuschenlassen und Bücher, die dem gesunden Menschenverstand gerade zu-widerlaufen, statt Werke Zarathustras übersetzt habe. Einen mehrgelehrten Anstrich hatten die — zum Theil sehr ähnlichen — An-griffe Richardsons in der Vorrede zu seinem persischen Wörter-buche, welche auch besonders ins Deutsche übersetzt wurde 2 ). InDeutschland hat besonders Meiners zu Göttingen 3 j sich gegen dieAechtheit ausgesprochen, während dagegen Kleuker Anquetils Werknicht nur ins Deutsche übertrug, sondern auch in einer eigenen Ab-handlung die gegen die Aechtheit vorgebrachten Gründe zurück-wies. Es würde Zeitverlust sein, wollten wir die Gründe, die fürund wider die Aechtheit des Avesta vorgebracht wurden , hier aus-führlich erörtern, sie scheinen uns auf unserem jetzigen Standpunktebeide gleich unzureichend, zum Theil sogar kindisch und wenn wiruns jetzt für die Aechtheit entscheiden, so hat dies zum Theil ganzandere Gründe als die damals vorgebrachten. Im Kampfe gegen dieAechtheit des Avesta im Besonderen, d. h. dass Zarathustra der
1) Lettre ä Mr. A*® 1 * du 1 P*** dans laquelle est compris l'examen de
sa traduction des livres attribues ä Zoroastre. Land. 1771. {W. Jones,
Works T.X.p. 403 ff.)
2) Richardsons Abhandlung Uber Sprachen, Literatur und Gebräuche mor-genländischer Völker. Aus dem Engt, übersetzt von Fr. Federau. Lemgo 1779.
3) Commentaliones de Zoroastre, in den Comment. Soc. reg. Gotting, hist,et philol. Class. T. II. Auch Tychsen hat sich gegen die Aechtheit des Avestavernehmen lassen, ibid.