Druckschrift 
1 (1852) Der Vendidad
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

10

Erstes Capilel.

pur

devas der Inder als daövas bei den Persern zu bösen Geisternund Gehülfen des Agra-mainyus geworden sind, wenn Indra, derhöchste Gott des früheren Hinduismus, als Andra gleichfalls in derHölle ist, wenn (jarva gleichfalls als böser Geist vorkommt, wäh-rend die Inder diesen Namen für würdig erachtet haben, den Qiva,einen der drei höchsten Gottheiten der spätem, indischen Religions-form, zu bezeichnen. Es liegt daher die Vermuthung nahe, dass re-ligiöse Gründe eine theilweise Ursache der Trennung gewesen seien.Uebrigens waren wol auch dann die Inder und Perser nicht ohneKennt.niss der gegenseitigen Entwicklung. Sie wohnten dazu nichtin zu weiter Entfernung und der Vendidad (I. 74) kennt noch Indienunter dem Namen hapta. hendu i. e. sapta. sindhavah, dasLand der sieben Flüsse, Bezeichnung des vedischen Indiens.

Wir verlassen nunmehr das Gebiet dieses ursprünglichen Zu-sammenhangs zwischen Indern und Persern, um der Entwicklung derletztem auf ihrem eigenen Gebiete und, soweit möglich, aus eigenenDenkmalen nachzugehen. Die ältesten Denkmale des persischenVolkes, deren Alter noch dazu über jeden Zweifel erhaben ist, sinddie Reilinschriften , welche Darius, Xerxes und Artaxerxes in Per-sien eingraben Hessen und die sich bis auf diesen Tag erhalten haben.Obwohl die Erwähnungen religiöser Art in diesen Inschriften kurzund einförmig sind, so zeigt doch schon dieses Wenige, wenn manes mit dem Avesta vergleicht, dass die Religion der Perser in jenerZeit im Wesentlichen dieselbe war wie sie im Avesta vorliegt. Derhöchste Gott heisst in den Keilinschriften auramazdä, auch blosaura, im Avesta ahura oder ahuramazda; hier wie dort ister der höchste Gott, der Schöpfer Himmels und der Erde (Inschr. vonNakhsi-Rustam init.), die übrigen Götter werden nur summarisch er-wähnt, sie heissen baga, ein auch dem Avesta nicht unbekannterName 1 ). Die Namen yazata (später ized) und Amescha-gpenta,so gewöhnlich im Avesta, finden sich in den Keilinschriften nicht wie-der. In der späteren Inschrift des Artaxerxes II. wird Mithra na-mentlich genannt, ein auch im Avesta oft genannter Gott.

Reichen aber diese dürftigen Angaben kaum hin, das altpersische

1) Cf. meine Abhandlung über den XIX. Fargard des Vendidad , Abhand-lungen der I. CI. der K. B. Acadeuiie der Wissenscb. VI. 2. (§. 78) H. 1.heisst Ahura-mazda, der grösste der ßagas, (mathisla baganam). aurä findetsich J. 23.