Bislang haben wir, schon allein um dem Leser einen möglichstungeschwächten Eindruck zu verschaffen, absichtlich mit jedempersönlichen Urtheil zurückgehalten; doch würden wir nichtgern die Meinung aufkommen lassen, daß wir nun alle Aus-führungen des berühmten Sanskritforschers, ja seinen prinzipiellenStandpunkt nach allen Seiten hin zu vertreten geneigt wären.So wenig es sich an dieser Stelle um eine eingehende Kritikhandeln kann, so sehr halten wir uns doch für verpflichtet,diese Bedenken und Abweichungen in aller Kürze zu konstaliren.Zunächst richtet sich das gegen die Ueberschätzung der ausschlag-gebenden Bedeutung der Sprache, ein Moment freilich, das beiMax Müller sehr begreiflich und verzeihlich erscheint. Alleinwie wenig die Sprache allein einen unmittelbaren Schluß auf dieHöhe geistiger Entwickelung überhaupt gestattet, das erhellt schonaus der bloßen Erwägung, daß ein so intelligentes Volk wiedie Chinesen sich bekanntlich mit einem sehr ungelenken Idiombehelfen, während die fast auf der untersten Stufe des Natur-zustandes sich befindlichen Buschmänner Südafrikas eine sehrfein gegliederte Sprache besitzen. Sodann ist Müller nur all-zusehr geneigt, die ja freilich schwer zugänglichen prähistorischenZustände in einem rosigen, idealen Lichte zu sehen, mit den sichdie thatsächlichen Beobachtungen und Analogien der Völkerkundenicht recht in Einklang bringen lassen. Dazu kommt, daß erohne weiteres die Gesittung und das soziale Leben, wie es unsin den Veden entgegentritt, für den ältesten Ansatzpunkt dermenschlichen Entwickelung überhaupt nimmt, ein doch offenbarsehr strittiges Problem, das erst des sorgfältigsten Beweises be-dürfte. Endlich hängt damit die Unterschätzung zusammen, dieer den Resultaten der modernen Ethnologie zu theil werdenläßt. Mag man über einzelne Fragen in dieser Wissenschaftzur Zeit noch zu keinem festen Abschluß gekommen sein undvielleicht aus Mangel an kritischem Material überhaupt nicht
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