Druckschrift 
Max Müller und die vergleichende Religionswissenschaft
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

verhältnißmäßig schnelle anfängliche Verbreitung ihrer Lehrenund Anschauungen psychologisch begreifen, gegen welche diespäteren Stockungen und plötzlichen Umschläge um so grellerabstechen.

Nachdem Müller so sein wissenschaftliches Programm ingroßen Umrissen entworfen, hat er sich in staunenswerther Rüstig-keit daran gemacht, das formale Schema mit konkretem Inhaltzu erfüllen und uns eine Entwickelungsgeschichte der natürlichenReligion zu geben nach jenen drei Perspektiven, die wir ineinem anderen Zusammenhänge schon erwähnten, die Offen-barung des Unendlichen in der Natur, im Menschen und schließlichim Selbst. Der erste Theil liegt unter dem TitelPhysicalischeReligion" * schon fertig vor uns, und es mag deshalb gestattetsein, auch aus diesem Werke einige Auszüge zu entnehmen. Erbestimmt seine Aufgabe mit folgendem Ausblick:Wir werdenin jenem Kursus die zahlreichen von den Naturerscheinungenabgeleiteten Namen zu betrachten haben, mittelst welchen diealten Erdenbewohner, was jenseits des Schleiers der Naturliegt, festzuhalten und zu begreifen suchten. Wir werden esmit den sogen. Göttern des Himmels, der Erde, der Luft,des Sturmes und des Blitzes, der Flüsse und der Berge zuthun haben. Meine Hauptaufgabe wird dabei sein, zu zeigen,wie der Gott des Himmels oder in einigen Ländern der Gottdes Sturmwindes nach und nach zum höchsten Gott wurde,wie es dann allmählich in den Geistern seiner erleuchteterenVerehrer seiner physikalischen oder mythologischen Attribute, wiewir er nennen können, entkleidet wird. War die Anschauungeinmal aufgekommen, daß von den Göttern oder wenigstensvon dem Vater der Götter und Menschen nichts Unwürdigesje geglaubt werden sollte, so wurde dieser Prozeß der Attribut-

* His (littorcl I-seturss äeliversä betöre tbs llnivsrsit^ okklnsgovin 1890, London 1891.