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Max Müller und die vergleichende Religionswissenschaft
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Werken kritisch zu erfassen. Auch auf die Forderung, alle dievielfachen Erzählungen über die wundersame Geburt und Jugenddieser Verkünder einer neuen Lehre noch heutzutage als authen-tisch anzusehen, wird schwerlich sich Jemand unter uns ein-lassen, der Bericht über Lao-tse übertrifft übrigens alles, wasin dieser Beziehung bislang geleistet ist. Von ihm wird nämlicherzählt, er sei bei seiner Geburt schon 70 Jahre alt gewesen.Aber vor allem ist die Thatsache beachtenswerth, auf die Müllerdie Aufmerksamkeit lenkt, daß die Abfassung der großen heiligenBücher des Ostens in keinem Falle den Religionsstiftern selbstzugeschrieben wird, daß diese vielmehr nur für das Werk ihrerAnhänger und Schüler gelten. Dieser Beweis läßt sich anjedem einzelnen der angeführten Dokumente erbringen, amaugenscheinlichsten an dem kolossalen Umfange des buddhistischenKanons, der aus 275 000 Zeilen besteht, jede Zeile zu 32 Silbenberechnet, und der Kommentar dazu aus 361550 solcher Zeilen.Eine Kopie davon wurde ans 4500 Blätter geschrieben. Einesiamesische Uebersetzung beläuft sich auf 3683 Bände. Dietibetanische Uebersetzung, Kanjur und Tanjur genannt, bestehtaus 325 Bänden, von denen jeder in der Pekinger Ausgabe45 Pfund wiegt. (S. 53 ff.). Es leuchtet von selbst ein,daß eine so ungeheure Sammlung unmöglich von ein und der-selben Person abgefaßt, ja nicht einmal angeregt und überwachtsein kann. Dasselbe gilt inntatio inntniulis von allen Religions-stiftern, die überhaupt nicht, wie man sich noch immer gernvorstellt, absolut Neues geschaffen, sondern nur dem weit ver-breiteten Bedürfniß, dem innersten Sehnen und Fühlen ihrerZeitgenossen den entsprechenden konkreten Ausdruck verliehenhaben. Nur durch diesen häufig übersehenen, aber in der Thatungemein wichtigen organischen Zusammenhang ihrer eigenenindividuellen Persönlichkeit mit den allgemeinen Strömungenund Idealen des geistigen Lebens in ihrer Zeit läßt sich die

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