24
speziell die fünf Länder Indien, Persien, China, Palästina undArabien. Indien, die Heimath allein von vier Religionen,nimmt in diesem Kreise unzweifelhaft die erste Stelle ein, zu-nächst durch die in verschiedene Rezensionen zerfallenden Veden,dieser ältesten Urkunde von dem Glauben unserer indogermanischenVorfahren. Die wichtigste Gruppe ist der die ältesten religiösenGesänge enthaltende Rigveda-samhitä, während andere Ab-theilungen z. B. nur liturgische Vorschriften geben. Dieservedischen Religion, die jedenfalls von 1500 (wenn nicht schonfrüher) bis 500 v. Chr. geherrscht zu haben scheint, trat alskräftige Reaktion, besonders gegen die herrschsüchtige Priester-kaste, der Buddhismus gegenüber, der sich in drei Sekten spaltet,den südlichen, den nördlichen Buddhismus und drittens in denGainismus. Als Stifter dieses bekanntlich die größte Anhänger-zahl umfassenden Bekenntnisses, das von den tiefsinnigstenphilosophischen Gedanken bis zu dem blödesten Schamanismnsund Götzendienst die ganze Stufenleiter religiöser Gefühle undEmpfindungen in sich vereinigt und an festgefügter sozialerOrganisation unbedenklich mit unserer abendländischen katholischenKirche wetteifern darf, gilt meist der Fürstensohn Gautama,der um das Jahr 500 vor Chr. lebte und in plötzlicher Ver-wandlung und innerer Umkehr die Pracht des irdischen Lebensvon sich warf, um als Bettler die Welt oder wenigstens un-gezählte Millionen zu erobern. In der That aber verhält sichdie Sache nach der Darstellung unseres Forschers so: „Es isteine bedeutsame Beobachtung, daß der Stifter des südlichenBuddhismus und der Begründer des Gainismus beide derzweiten Kaste, der Aristokratie oder dem Adel angehörten, nichtder Priesterkaste der Brahmanen, die bis dahin sich' des aus-schließlichen Privilegs erfreut hatten, die Religion zu lehrenund die Opferhandlungen zu verrichten. Stifter des Buddhis-mus war ein Prinz oder jedenfalls ein Adliger, der um 500
(b10)