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Max Müller und die vergleichende Religionswissenschaft
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ursprünglich religiösen Motiven studiren läßt, jedenfalls istinsofern das Studium dieses Materials ungemein erleichtert,als die Forscher, nicht wie anderwärts, mühsam den Stoffzusammenzutragen und dann erst kritisch zu richten haben, sonderndiese Vorarbeit schon von den verschiedensten brahmanischenPriesterfamilien übernommen ist. Daß gerade um deswilleneine sorgfältige Scheidung des nur durch einzelne Theologenfestgesetzten Ritus und Ceremoniells und des ursprünglichen,allgemeinen, volksthümlichen Herkommens und Gebrauches vonnöthen ist, versteht sich von selbst.

Die vierte Quelle endlich für die vergleichende religions-wissenschaftliche Betrachtung ist das Studium der heiligenBücher. Als unser berühmte Sanskritforscher in den siebzigerJahren die erfolgreiche Anregung zur Uebersetzung von sämt-lichen heiligen Büchern des Ostens gab, entstand sofort dieStreitfrage, was man unter jenem Ausdrucke zu verstehen habe.Legte man den gewöhnlichen Maßstab der Offenbarung an, somußten manche der wichtigsten Dokumente, welche auf dieseübernatürliche Sanktionirung von vornherein verzichten, z. B.die heiligen Bücher der Buddhisten oder des Konfucius, vonder beabsichtigten Sammlung ausgeschlossen werden, was imInteresse des ganzen Unternehmens natürlich sehr zu beklagengewesen wäre. Man verständigte sich also in der Kommissiondahin, als heilige Bücher alle diejenigen anzusehen, welcheformell von Religionsgemeinden als höchste Autorität in Religions-sachen anerkannt und eine Art kanonische Gültigkeit erhaltenhatten, auf die man sich zur Entscheidung irgend welcher streitigerPunkte in Sachen des Glaubens, der Moral und des Ceremoniellsberufen konnte. Deshalb wurden z. B. die homerischen Gedichteebensowenig ausgenommen, wie die Nachfolge Christi vonThomas a Kempis oder Dantes göttliche Komödie. Asienist die Geburtsstätte dieser kostbaren Schriften gewesen, und

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