Kalenders ausgedacht. Auch hier gilt, daß das Taugliche odervielmehr das, was Sinn und Vernunft hat, bestehen bleibt,aber es folgt nicht daraus, daß diese Tauglichkeit vorhergesehenund beabsichtigt, und die Vernünftigkeit, selbst wenn sie vor-handen war, auch stets eingesehen und bemerkt wurde." (S. 505.)Als ein passendes Beispiel für die innige Verknüpfung religiöserund physikalischer Vorstellungen wird dann der bekannte Mythusvon Jstar und Thammnz angeführt, der von Babylon bis nachAegypten, Cypern und Griechenland sich verbreitete und seineletzte Zuflucht in der Sage von Adonis und Aphrodite fand.Auch hier ist das eigentliche Grundthema das Verhältniß derbefruchtenden Sonne zur sprossenden Erde nach den verschiedenstenSeiten variirt, vor allem in dem tragischen Ausklang von derallmählichen Ohnmacht und schließlichen Vernichtung der anfäng-lich so machtvollen Sonnenstrahlen, ein Vorgang, der bekannt-lich in der ausschweifendsten, orgiastischen Trauer beklagt undbejammert wurde. Deutlich lassen sich die verschiedenen Phasendes Sonnenlaufes nach der griechischen Version der Sage inder Geburt, der glücklichen Jugend, dem frühzeitigen Tode undder Wiedererweckung des Adonis wiedererkennen, sowie in derbedeutungsvollen Thatsache, daß er die eine Hälfte des Jahresmit der Göttin des Todes und die andere ausschließlich mitder Göttin der Liebe zubrachte. Freilich gehen darüber dieAnsichten auseinander, ob darin mehr die vernichtende Glnthder Sonnenhitze zu sehen ist, unter der jede grüne Vegetationdahinstirbt (was eben für manche Gegenden des Orients, be-sonders für kahle, wasserlose Hochplateaus zutreffen dürfte),oder in der That das Eintreten der Winterstürme und damitdas Dahinschwinden des Pflanzenwuchses und der lebendigenNatur überhaupt. Für Max Müller ist aus begreiflichenGründen Indien dasjenige Land, in welchem sich ganz besondersanschaulich die Entwickelung von Sitten und Gebräuchen aus
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