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Max Müller und die vergleichende Religionswissenschaft
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Bedeutung für das Menschengeschlecht viel tiefer empfundenwerden können, als in den südlichen Breiten, wo diese scharfen,unvermittelten Kontraste fehlen, auch jenen Feiern eine beiweitem größere Innigkeit und Leidenschaftlichkeit innewohnt.Das gilt ganz besonders von unseren Vorfahren, bei denendeshalb der Kampf der Sonne mit dem Winter und den Frost-riesen in den verschiedenartigsten Modulationen eine große Rollespielt.* Auch Müller hat dies Moment gebührend gewürdigt:In vielen religiösen und sakrifikalen Gebräuchen der Welt nimmtdie Sonne eine ganz hervorragende Stelle ein. Man hat oftdarüber sein Erstaunen geäußert. Warum, so hat man gefragt,sollte die Sonne, die wir uns heutzutage nur in weiter Ent-fernung vom Himmel denken, für die Bewohner der alten Weltvon solcher Bedeutung gewesen sein? Man vergißt dabei, daßdie Sonne, insofern sie die Ursache der regelmäßigen Aufeinander-folge der Jahreszeiten ist, für den Landmann der Vorzeit vonwahrhaft vitaler Bedeutung war, und daß nichts natürlicherwar, als die jährliche Wiederkehr der Sonne und der Jahres-zeiten durch gesellige Versammlungen, Feste, feierliche Umzüge,

Tank- und Sühnopfer zu feiern. Solche ceremonielle

Handlungen mochten sich bald, wenn sie Jahr für Jahr zuderselben Jahreszeit wiederkehrten, auch für rein chronometrischeZwecke von besonderem Nutzen erweisen: sie mochten die erstenGrundlinien eines Kalenders abgeben, und dieser Kalenderkonnte mit der Zeit, statt eines religiösen, einen rein bürgerlichenCharakter annehmen. Aber trotz alledem wäre es falsch, wollteman sagen, die Priester hätten sich diese jährlichen Feste zudem bestimmten Zwecke der Einrichtung eines bürgerlichen

* Vgl. dazu die interessanten Untersuchungen von Carus Sterne inseinem Werke: Tuisko-Land, der arischen Stämme und Götter Urheimath.Erläuterungen zum Sagenschatz der Beden, Edda, Ilias und Odyssee,Glogau 1891, besonders S. 218 ff.

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