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Max Müller und die vergleichende Religionswissenschaft
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sind. Ganz anschaulich weiß Müller diese Versuchung zuschildern, die in der Thal öfter sehr verhängnißvoll gewordenist:Wünscht der Missionar nachzuweisen, daß kein menschlichesWesen ohne irgend einen Funken von Religion existiren könne,so sieht er überall Religion, selbst im sogen. Totemismusoder Fetischismus. Will er aber die Nothwendigkeit der Be-lehrung und Bekehrung dieser ungläubigen Menschenstämme Nach-weisen, so kann er bei der Schilderung ihres verworfenen Zu-standes die Farbe nicht stark genug austragen. Er ist dannim stände, selbst ihren Glauben au einen unsichtbaren, mit keinemNamen benannten Gott rein für Halluzination zu erklären. Auchder Anthropologe ist von solchen Versuchungen nicht frei.Wünscht er nachzuweisen, daß jedes Volk zu einer gewissen Zeitwie die Menschen im Kindesalter atheistisch war, dann sind inseinen Augen weder Toteme noch Fetische, noch selbst Gebeteoder Opfer irgendwie für den unzerstörbaren Charakter desreligiösen Instinkts beweisend." (S. 84.) Es ist bekannt, welchmerkwürdiges Mißgeschick selbst einem vorsichtigen Beobachter,wie Darwin, widerfuhr, der die Feuerländer kaum zu den Menschenzählen wollte und ihre Sprache nach dem Vorgänge Cooks miteinem heiseren Räuspern verglich, während sich später herausstellte,daß umgekehrt ihr Idiom ein sehr mannigfaltig gegliedertessei und sich ihr Wortschatz z. B. auf etwa 33000 Wortebelaufe. Betrachten wir somit nach dem Vorgänge aller un-befangenen anthropologischen und mythologischen Forscher dieReligion als ein Gemeingut der menschlichen Rasse überhaupt,so würde es sich im besonderen um die induktive Methode fürdie Untersuchung handeln.

Daß diese in erster Linie, wie jede wissenschaftliche Tätig-keit, mit der kritischen Sichtung des Materials zu beginnen hat,darüber kann wohl kein Zweifel mehr aufkommen, Müller trägtsogar in dieser Beziehung keine Bedenken, die Religionswissen-

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