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Max Müller und die vergleichende Religionswissenschaft
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in streng objektiv referirender Weise. Eine Kritik dieser Ansichtenzu geben, fühlen wir uns an dieser Stelle um so wenigerberufen, als wir so wie fo genöthigt sind, uns auf das knappsteMaß zu beschränken.*

Der aus dem Alterthume übernommene und im vorigenJahrhundert wieder begierig aufgenommene naturwissenschaftlicheRadikalismus, die Religion als eine bloße priesterliche Erfindungund Betrügerei anzusehen, scheint Gott sei Dank gegenwärtigeiner unbefangeneren und nüchterneren Auffassung Platz zumachen; auch die Völkerkunde kommt von dieser einseitig dar-winistischen Uebertreibung zurück, daß es angeblich Völker aufErden ohne jede religiöse Vorstellung gebe, ohne Opfer, ohneden Glauben an eine Seele und ein zukünftiges Leben. Umso stärker sind aber die Abweichungen bezüglich der Definitionder Religion selbst, so daß es rathsam erscheinen möchte, ehewir in eine genauere Darlegung eintreten, die Erklärung der-selben, wie sie Müller giebt, an die Spitze unserer Erörterungzu stellen. Indem er sich einerseits gegen die übermäßige Be-tonung des Erkenntnißmoments in der Religion wendet, wiesie bei Kant z. B. hervortritt, andererseits gegen die ebensoeinseitige Rücksichtnahme auf den bloßen Ritus und Kultus,so sucht er durch folgende Bestimmung etwaigen Fehlschlüssenund verhängnißvollen Jrrthümern vorzubeugen:Religion bestehtin dem Gewahrwerden des Unendlichen unter solchen Mani-festationen, die auf den sittlichen Charakter des Menschen be-stimmend einzuwirken im stände sind. Diese Definition umfaßtdie Religion in ihrem Entstehen. Allein, nehmen wir einmal

* In der Hauptsache folgen wir dem letzten umfassenderen WerkeMüllers: Die natürliche Religion, Leipzig 1890, das alle früheren speziellenUntersuchungen miteinschließt. Am Schluß unserer Darstellung dagegenfügen wir ein Verzeichniß sämtlicher Schriften unseres Gewährsmannesbei, soweit sie auf unseren Gegenstand mehr oder minder Bezug haben.

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