^^cich vertragsmäßiger Festsetzung sollen die Schriften der Goethe-Gesellschaft „Quellen und^ ^ Forschungen" enthalten; und bedürfte es je eines Hinweises, wie ernst sie von Anbeginn ihreAusgaben genommen hat, so würden diese zwei Worte und die Art, wie sie in einer Reihe vonLänden zur That geworden sind, vollauf genügen. Erscheint jenes Programm zunächst als das einer-streng wissenschaftlichen Gemeinde, so war es doch von Haus aus nicht einseitig „esoterisch" gemeint,und auch das flüchtigste Betrachten der beiden ersten Theile der Schriften wird diese freiere Auf-fassung bestätigen. Als dritte Gabe rückte bereits eine Sammlung von Zeichnungen und Bildern ein,deren Zweck es war, Goethes künstlerische Befähigung und Tendenz in der Zeit seiner höchsten Reifezur Anschauung zu bringen, und in noch höherem Grade als jene hat die vorjährige publication dieGunst eines weiten Kreises gewonnen, die mit ihren glücklich ausgewählten Blättern recht eigentlich dazuangethan war, in das Innere von Goethes Kunstwelt und Kunstübung zu führen und zugleich in dasInnere seines Hauses. So besteht denn die Absicht, aus der nämlichen Quelle (für deren schier unerschöpf-liche Reichhaltigkeit man Gewähr leisten darf) die Schale öfters zu füllen: schon in der vorjährigenPfingstsitzung hat der Vorstand Beschluß gefaßt, daß jener Veröffentlichung „Aus dein Goethe-National-Museum I." eine fernere Folge von gleichartig eingerichteten Sammlungen sich anschließen solle/ Inabsehbarer Zeit also werden diejenigen Theile unserer Schriften, die sich mit Goethes Verhältnis^ zurKunst, der bildenden und darstellenden zumal, beschäftigten (II. V. VI.), eine Illustration erhalten, diesicherlich allerwärts willkommen sein wird.
Es ist gleichzeitig mit jenem Beschlüsse auf meinen Antrag ausdrücklich vom Vorstandeanerkannt worden, daß in den Bereich der „Forschungen" auch freie Darstellungen von geschichtlichemund ästhetischem Lharakter gehören, überhaupt aber jegliches Werthvolle, das auf Goethe undseine nächsten Zeitgenossen (Schiller, Herder u. A.) Bezug habe. Und ein weiterer Gewinn ergab sichdai,nit zugleich: dem Herausgeber der Schriften wurde für alle Folgezeit die Mitwirkung der Kollegenin Aussicht gestellt bei Heranschaffung, Auswahl und Prüfung dessen, was unter den angenommenenGesichtspunkten geeignet erscheine. Goethe ist so reich und so vielgestaltig, daß eines Einzelnen Wissen-schaft und Kunst nimmer ausreicht, alle die Manifestationen seiner „Kunstnatur" zu übersehen, geschweigedenn sie darzustellen.
In jeglichem Betracht nun ist der diesjährigen Weihnachtsgabe das Beste, was Freundegewähren können, die „Mitwirkung" zu statten gekommen. Es war ein Gedanke von Erich Schmidt,die Musik in den Bezirk unserer Publicationen einzuführen. Er ist es zugleich gewesen, der den rechtenMann zur Ausführung gewonnen hat; bei dieser selbst aber, im ganzen Gange der Herstellung, hatTarl Ruland sich mit seinen: reichen Wissen und Können freundwillig bethätigt. —
Es braucht heute über das innige Verhältniß unsres Dichters zur Musik kein Wort mehr verlorenzu werden. Wenn er selbst, als ein Jüngerer, in schöner Bescheidenheit Herder für „eine musikalischereNatur" erklärt hat, so wissen wir das jetzt besser. Herder war nur relativ eine musikalischere Natur:ihm fehlte das Plastische, oder (wie er sich selbst ausdrückt) „das Runde, die Wohlgestalt", die bei deingrößeren Freunde das Tomplement musikalischer Innerlichkeit bildet. Goethe erkennt die Musik ingewissem Sinne als die Kunst der Künste an; er spricht ihr, in ihrem profanen Theile, die Eigenschaftzu, welche nach dein bekannten Worte Schillers das Wesen der Kunst überhaupt ausmacht: die Heiterkeit.