Druckschrift 
1 (1889)
Entstehung
Seite
67
Einzelbild herunterladen
 

67

breit vom Himmel wird zu sehen sein. Da werdet ihr nicht seltenplötzlich ans tiefe, mit ständigen Blumen verwachsene Gruben stoßen,und ein einziger unvorsichtiger Schritt, vorwärts gethan, kann euchaus immer ins Verderben stürzen. Da wird es endlich oft in lachen-den Thälern giftige in hohem Grase versteckte Schlangen und Otterngeben, welche euren Fersen anflauern, auch wilde Bestien im nahenGehölz, welche ans euch hervorschießen werden zu einer Zeit, da ihrin eurem arglosen, leicht betrogenen Herzen euch völlig sicher wähnt.

Kinder, ich bin des Weges gekommen und rede nicht vom Hören-sagen, sondern aus Erfahrung. Glaubt also einem glaubwürdigenManne und einem für euch zitternden Vater; es ist zum glücklichenAntritt und zur sichern Vollendung der gefahrvollen Lebensreise nichtgenug, die Himmelsgegend zu wissen, nach der man wandern muß,nicht genug, mit dem festen Vorsatze auszngehen, der rechten Straßeimmer folgen, nie von ihr abweichen und alle gefährlichen Ortersorgfältig vermeiden zu wollen, nicht genug, sich gewöhnt zu haben,keinem der Mitwanderer vorsätzlich in den Weg oder auf den Fußzu treten, — mit andern Worten, es ist zu einem ruhigen, zufriedenenund glücklichen Leben hienieden nicht genug, daß man gut und immerbesser zu werden sich bestrebe (ungeachtet dieses Bestreben das ersteunentbehrliche Mittel zur Glückseligkeit ist), man muß auch vorsichtig,klug und durch Erfahrung weise geworden sein.

Aber, ach, diese Klugheit, diese Erfahrung hat man gemeiniglicherst dann erworben, wenn die Zeit, sie zu nutzen, schon vorüber ist.Unglücklicher Jüngling, dem die Vorsehung keinen väterlichen Freundgewährte, der aus seiner Fülle diesen Mangel ersetzte, und ihm liehe,was er selbst noch nicht erwerben konnte! Ihr, meine Lieben —o freuet euch, und danket Gott dafür! — sollt zu der Zahl dieserUnglücklichen, die erst durch Schaden klug werden müssen, nicht ge-hören. Seht, ich übergeb' euch hier ein Buch, worin ich meinebesten, oft teuer erkauften Erfahrungen für euch ausgezeichnet habe.Dies ist der Nachlaß meines Herzens für euch und für alle jungeWeltbürger, welche teil daran nehmen wollen. Höret nun, was füreinen Gebrauch ihr davon machen sollt; dies ist mein letzter Wille: