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Umrisse zu Goethes Faust : erster und zweiter Theil
Entstehung
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teilnehmenden Beobachter, wenn er mit dem Künstler in dem Gedichte fortlebt.Wir verstehen nicht, warum dieser auf dem einundzwanzigsten und dreiund-zwanzigsten Blatt Gretchen so wenig hervorhob, daß wir sie nur erratenmußten? Für beide Blätter ist die Frage kein Tadel, denn sie sind so vollausdrucksvoller Gestalten, daß man Gretchen nur erst aus Reflexion vermißt.Bei dem Auftritt in der Kirche müssen wir's ihm vielleicht sehr Dank wissen,daß er, indem er Gretchen in den Hintergrund stellte, ihren abscheulichen Mahnerauch in die Entfernung brachte, wo sein notwendiger Charakter nicht mehr ver-zerrte. Auf diesem Blatte stellen die wenigen Umrisse ein so lebendiges Gemäldedar, daß wir in jeder Masse die Urbilder zu diesen Stellungen, diesen Grup-pierungen, diesem Ausdrucke finden. Diese Charakterzüge, das Weihfaß ander Hausthür auf dem Blatte, wo Gretchen zum erstenmal auftritt, und dieZimmerverzierungen der Frauen müssen überhaupt den an katholische SittenGewöhnten viel lebhafter ansprechen, wie den Fremden. Mephistopheles erscheintnie wie der nordische Popanz, und doch dergestalt als Teufel, daß man immersieht, wie die anständige Maske sich aufsträubt. Die Zipfel der Mütze strebenimmer Hörner zu werden, die Bocksphpsiognomie zur Teufelslarve; aber siewird es nie, sondern der Beschauer teilt nur immer Gretchens Empfindung:Er sieht immer so spöttisch drein.

Und halb ergrimmt:

Man sieht, daß er an nichts keinen Anteil nimmt,

Es steht ihm an der Stirn geschrieben.

Daß er nicht mag eine Seele lieben.

Und dieser Charakter tritt mit der Zunahme des Schrecklichen nur schärferhervor. Es scheint dem widrigen Gesellen wohler, je toller es hergeht. Beidem Aufklettern zum Brocken reckt sich die garstige Gestalt in eine dünne undängstliche Länge, als schwebe er in der Nähe der Teufelslarven recht in seinemElemente. Besonders gemütlich scheint er sich auf den Hexenpferden neben demRabenstein zu befinden, er sitzt wie in einer Schaukel, indes Faust aller Reit-kunst bedarf, um sich zu halten. Endlich auf dem letzten Blatte bricht derGrimm durch und bezeichnet den zornschnaubenden Verderber.

Wir nehmen mit der vergnüglichen Ueberzeugung von dem MitbeschauendenAbschied, daß er in diesen Zeilen seiner eigenen Ansicht begegnet, und durchseine Mitteilung unseren Genuß vermehren würde. Uns aber bleiben ein paarWünsche übrig, die wir, sowie unsere Freude sie mitzuteilen, für erlaubthalten: unsere karge Zeit möge den Künstler nicht, einige dieser Blätter mitdem Griffel auszuarbeiten, verhindern, damit ihr geist- und gemütsvoller Ent-wurf als Einzelnes, Ganzes und Vollendetes erscheine und erfreue. Weiter!daß eine Manier, in der ein genievoller Künstler das genialischste Gedicht un-serer Nation in redenden Gestalten darstellte, seine Kunstbrüder nicht verleitenmöge, die zahlreichen Geschichtchen unserer Tage, in denen Teufel, arme Sünderund Geköch aus der Hexenküche so fleißig aufgetischt werden, nachahmend zubehandeln. In den meisten Fällen setzte sich der Dichter und der Künstler nurunangenehmen Vergleichen aus. Die Welt der Dämonen darf nur der DämonenMächtigster erschließen.