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Umrisse zu Goethes Faust : erster und zweiter Theil
Entstehung
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Vor

s schien uns immer ein trauriges Zeichen unserer Zeit, daß Kommentarevon Werken erschienen, bei denen es uns notgedrungen einfiel: wie man08^2 von jeher die vernehmlichsten Dinge so lange kommentierte, bis sie auslauter Verständlichkeit nicht mehr vernommen werden konnten. Wenn wir daherein paar Worte von der vor uns liegenden Reihe von Umrissen plaudern, so ist'skeineswegs, um zu kommentieren, sondern aus dem frohen Mit- und Mit-teilungsgesühl, das uns treibt, etwas Anziehendes während des Sehens unseremMitsehenden noch bemerklich zu machen nicht weil er es übersehen möchte,sondern damit er und wir zur Freude des Sehens noch die des übereinstimmendenGenusses hinzufügen.

Da müssen wir aber den lieben Mitbeschauer gleich zum Eingang bitten:er solle sich freuen, daß der Faust überhaupt geschrieben ist. Aber nicht leicht-sinnig, sondern sehr ernsthaft freuen. Goethe hat seinen Zeitgenossen damiteinen rechten Dienst gethan; denn wenn wir einen jungen Mann hinaus in dieWelt schicken und ihm alle Klippen andeuten wollen, die seinem Lebensschiffleindrohen, so bedürfen wir nur, ihm den Faust zu geben und zu sagen: lies undbedenke! und wenn der Greis seines langen Lebens Erfahrung erzählen willund ihn die Erinnerung überwältigt, kann er, errötend und verjüngt, auf dasBuch zeigen und sagen: das steht alles darin. Und wenn ein Mensch aufeine wüste Insel verschlagen würde und des Menschen Weben und Treiben nichtentbehren könnte, brauchte er nur den Faust aus dem Schiffbruch gerettet zuhaben, so könnte er es nie verlernen. Aber leichtsinnig sollte es keiner lesen.

Das Buch sollte jedem ein wichtiges Lehrbuch werden, wie in früherenZeiten die Cpropädie, der Sehtes, dann der Telemach und später Theophronmit seinen moralischen Gefährten. Der verschiedene Charakter dieser Bücherkönnte Nationen und Zeitalter, wo sie als Lehrbuch der Jugend bestimmtwürden, ziemlich treffend bezeichnen. Man erlaube uns, ihnen noch ein anderes

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Buch anzureihen, dessen Verfasser freilich nicht den Menschen, sondern sich selbstschilderte; ohne Gemüt und Genialität, sich selbst, oder höchstens den Menschen,wie die konventionelle Welt ihn bildet; in einem Zustand ekler Fäulnis, vonder Klugheit mit einer künstlichen Eisrinde umgeben, welche die aufgelöste Masseam Zerfließen verhindert. Wir deuten auf Chesterfields Briefe. Sie täuschendurch einen Ton der Darstellung, die sie nicht dem individuellen Wert des Ver-fassers, sondern seinem Range und seiner Landesverfassung verdanken, und wirmüssen an den Erscheinungen, die wir in unserer Zeit an den höheren Ständenwahrnehmen, fürchten, daß seine Lehren, soweit sie nicht nationell sind, auffruchtbarem Boden fielen, als Xenophon und Fenelon für ihre Heldenspiegelfanden. Wenn Chesterfield die Großen und die Theophrone das Volk einerNation bildeten, müßte sich der Patriot einer trübseligen Zukunft versehen.

Tadelnd höre ich fragen: also ein Lehrbuch sollte Faust werden? Ja,Führer der Jugend! Kein Lesebuch, keine Vorschrift, sondern ein Lehr-buch, in welchem der Jüngling den ganzen Reichtum, den ganzen Abgrund, denganzen Pfuhl des menschlichen Wesens kennen lernt. Und seinen ganzenHimmel! Aber damit dieser klar würde, so wie nach Gottes letztem Gerichteine neue Sonne glänzen wird wünschten wir, der mächtigste Dämon derdeutschen Dichtkunst möchte, noch ehe er sein Volk im Dunkeln zurückläßt, unsdas Ende des Endes von Faust Mitteilen. Das Ende, was wir immer wegender Worte erwartet haben, die der Herr sagt:

Wenn er <Faust) mir jetzt auch nur verworren dient,

So werd' ich ihn bald in die Klarheit führen.

Weiß doch der Gärtner, wenn das Bäumchen grünt,

Daß Blüt' und Frucht die künft'gen Jahre zieren.

Fausts Welt schildert nicht den Menschen zu des großen Persers Zeiten,nicht den, der, die Fürsten aus dem Stamm der Bourbonen zu bilden,