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Der i. April war wieder nicht ohne die üblichen Beglückwünschungen durchdie Parlamentarier verlaufen. Darauf bezieht sich das folgende Schreibens:
Berlin, den 4. April 1886.
Für die freundlichen Glückwünsche, mit denen der Vorstand der national-liberalen Partei mich auch in diesem Jahre zu meinem Geburtstage beehrt hat,bitte ich die Herren meinen verbindlichsten Dank entgegenznnehmen.
von Bismarck.
! 10. April 1886. vr. Miquel abends bei Bismarck,
i Mit Interesse verfolgte der Kanzler in dieser Periode die Bemühungen des
' Abgeordneten Oechelhäuser^) um das Zustandekommen der Deutsch-Ostafrikani-
schen Gesellschaft. Die Bekanntschaft Oechelhäuser's mit Bismarck reicht bis indie Zeit seiner Eigenschaft als Bundestagsgesandter zurück. Es war im Jahres 1852, als Bismarck denselben mit andern Deputierten des Handels im Schlaf-
s rock empfing und sich in offenster Weise mit ihm unterhielt. Auf die Unglaub-
s Würdigkeit von Prokesch-Osten fiel bei dem damaligen Gespräch mancher Seiten-
s hieb. In den Reichstag wurde Oechelhäuser erst im Jahre 1878 gewählt, und da
er sich zum Freihandel bekannt hatte, so fehlte es zunächst an Berührungspunkte n^ mit Bismarck. Erst die Kolonialfrage hatte solche im Gefolge. Oechelhäuser begann
seine Thätigkeit in derselben anr*18. November 1885 auf Aufforderung des Geheimenj Legationsrats Kayser unter spezieller Zustimmung des Fürsten Bismarck. Außer
^ Oechelhäuser wurde noch Geheimrat Langen und von beiden als dritter Geheim-
rat Delbrück zugezogen. Es gelang denselben rasch, die bestehende Deutsch-Ost-^ afrikanische Gesellschaft zu begründen, und zwar im Februar 1886, nachdem'die
! frühere Kommanditgesellschaft Peters L Comp, sich aufgelöst hatte. Seit dieser
Zeit war Oechelhäuser fortgesetzt in der Verwaltung der Deutsch-Ostafrikanischen' Gesellschaft thätig und darf in dieser Beziehung auf die Geschäftsberichte derselben
1 von 1888 bis 1890 verwiesen werden. —
Zur Ergänzung des von mir in „Fürst Bismarck und die Parlamentarier" Bd.I.,2. Auflage, S. 284 mitgeteilten Referats über das parlamentarische Diner beiBismarck vom 2. März 1886 lasse ich noch folgen, was der Abgeordnete vr.
0 In Kohl's Bismarck-Regesten nicht erwähnt. Der Adressat ist vermutlich der Ab-geordnete von Benda.
ß Oechelhäuser, Wilhelm, Königlich preußischer Geheimer Kommerzienrat in Dessau.^ Wahlkreis 2: Anhalt (Bernburg). — Nationalliberal. — Geboren am 26. August 1820 in
Siegen, evangelisch. Bis 1848 in der Papier- und Maschinenfabrikation; dann 3 Jahre Be-amter (Sekretär, später Assessor) des Reichshandelsministerinms und der Centralbundcskommission^ in Frankfurt a. M.; von 1852—56 Bürgermeister in Mülheim a. d. Ruhr; von 1856 ab
33 Jahre lang Generaldirektor, gegenwärtig Vorsitzender des Direktoriums der Deutschen Con-tinental-Gasgeseltschaft in Dessau. Ehrenbürger der Stadt Dessau. Wurde 1883 geadelt, ver-zichtete jedoch für seine Person auf die Führung des Adelstitels. Verfasser verschiedenerhandelspolitischer und sozialer Schriften., 1852—53 Mitglied des preußischen Abgeordneten-hauses; seit 1878 Mitglied des Reichstags.
3) Vergl. hierüber auch die von mir herausgegebenen Erinnerungen aus dem Leben vonHans Viktor von Unruh, S. 164.