Druckschrift 
3 (1896) 1879 - 1890
Entstehung
Seite
166
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U!6 Die zweite Session der VI Legislatur-Periode des Reichstags

müssen, daß der Verkehr mit Branntwein mit ähnlichen strengen Kontrollen undhohen Strafen umgeben werden würde, wie dies in den meisten andern Ländern, wieEngland, Frankreich, Amerika, bereits der Fall ist. Diese Maßregeln werdeneine Verminderung des Verbrauchs zur Folge haben, weil sie den Preis der davonbetroffenen Genußmittel in sehr viel höherem Maße verteuern werden, als esdurch das Monopol geschehen würde; dann aber auch werden sie die Folgehaben, daß das Gewerbe der Gastwirtschaft größere Mittel und größere Anstrengungenunter schärferer Kontrole der Steuerbehörde erforderlich machen wird. Solltesich die Zahl der Schankwirte dadurch vermindern, so würden die Übrigbleibendennotwendig denselben Gesamtsteuerbetrag aufbringen müssen, welchen der Staatvon dem Gesamtverbranch geistiger Getränke beansprucht: erst dann wird dievolle Last der Steuer die Gewerbegruppe treffen, welche, wie die gedrucktePetition vom 29. v. M. sich ausdrückt, den Stand der Gast- und Schankwirtebildet. Ich halte nach diesen Erwägungen für die Herren Gastwirte von Ratze-burg das Branntweinmonopol immer noch für die erträglichere Form, um denVerbrauch geistiger Getränke in der für die Reichsfinanzen unentbehrlichen Höhezur Beisteuer heranzuziehen; wenn ich auch nicht bestreiten kann, daß jedesMonopol und jede Steuer an sich eine linerwünschte, aber leider unvermeidlicheZugabe zu den Vorteilen eines geordneten Staatswesens bildet. Ich glaubedeshalb das Interesse nicht nur des Reichs, sondern auch speziell das der Ge-meinde Ratzeburg und der Herren Gastwirte daselbst zu vertreten, wenn ich dieEinführung des Branntweinmonopols befürworte, ohne gerade an jeder einzelnenBestimmung des im Bnndesrat eingebrachten Entwurfs festzuhalten.

Der Gastwirtsverein in Ratzebnrg zog seine dem ReichstagsabgeordnetenGrafen Herbert Bismarck gegen das Branntweinmonopol überreichte Petitionzurück und sprach die Bitte ans, die Einführung desselben im Reichstage befür-wortend vertreten zu wollen. Auf die betr. Zuschrift ging an den Vorsitzendendes Gastwirtsvereins folgende Antwort ein:

Berlin, den l. März l886.

Ew. Wohlgeboren danke ich verbindlichst für die namens Ihres Vereinsall mich gerichtete freundliche Zuschrift vom 21. v. M. Dieselbe hat mir zurlebhaften Befriedigung gereicht, und ich habe mich sehr gefreut, daraus zu er-sehen, daß unsre beiderseitigen Standpunkte in Bezug auf die zu erstrebendefinanzielle Unabhängigkeit des Reichs vollkommen harmonisch sind. Ich würdeEw. Wohlgeboren dankbar sein, wenn Sie auch Ihren Herren Kollegen nieineGenngthuung über die Gemeinsamkeit unsrer Auffassung aussprechen wollen,und bitte Sie zugleich, die Versicherung meiner vollkommensten Hochachtungentgegen zw nehmen. Graf Bismarck.

6. März 1886. Der Abgeordnete von Hclldorff erwirkt, daß der Kanzlersich gegenüber dem umhergetragenen Klatsch für das Festhalten am Monopolerklärtst.

b Näheres darüber s. in den Aufzeichnungen deS Abgeordneten Iw. Harimann S. Uw.