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3 (1896) 1879 - 1890
Entstehung
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20. März 1885.

Vier volle Sitzungen und einen Teil einer fünften Sitzung nahm diezweite Lesung der Postdampfcrvorlage in Anspruch. Es handelt sich dabeium die Gewährung von Subventionen aus Reichsmitteln für die Einrichtungund Erhaltung von deutschen Schnelldampferlinien nach Ostasien, nach Australienund nach Afrika. Fürst Bismarck führte uns auf die Höhen der aus-wärtigen, insbesondere der überseeischen Politik, und auch dem blödesten Augemußte es klar werden, welch' einen weitblickenden und thatkräftigen Staatsmann,welch' einen warmfühlenden Patrioten wir an ihm besitzen. Ergreifend war dieScene, als er, am Freitag, die Auferstehung von Kaiser und Reich als dendeutschen Völkerfrühling pries und mit tiefem Schmerz die Gefahren schilderte,welche dem herrlichen Werk der deutschen Einheit durch den Zwist der Parteiendrohen. Er redete, als wenn eine Inspiration über ihn gekommen sei dieSprache, sonst zögernd und stockend, floß leicht dahin, die Stimme tönte gewaltigdurch den weite» Raum, sein Antlitz rötete sich, die Augen wurden feucht. Vielleichtnoch niemals in seinem ganzen öffentlichen Leben hat Fürst Bismarck Herzenund Sinne der Hörer so gefangen genommen, wie an jenem Tage. Brausender,nicht enden wollender Zuruf folgte, nicht allein von zahlreichen Mitgliedern desReichstags, nein, auch von den Zuhörern aus den dicht gefüllten Tribünen, ausder Hofloge, wo Prinz und Prinzessin Wilhelm Platz genommen hatten daswar nicht bloß der Beifall, welcher einer gelungenen Rede zu folgen pflegt, daswar der Zubelruf eines dankbaren Volkes, in welchen der zukünftige Träger derKaiserkrone freudig und herzhaft einstimmte. Ähnliches hat der Reichstag zuvorvielleicht nur ein Mal erlebt, an jenem Julitag des Jahres 1870, als die Kriegs-erklärung Frankreichs verlesen wurde.

Am 2. Juni 1885 richtete der Reichstagsabgeorduete Graf B. Bernstorff-Gartowfl das folgende Schreiben an den Bundesrat, z. H. des ReichskanzlersFürsten von Bismarck:

Die königlich preußische Regierung hat den am 21. Mai beim Bnndes-rate eingereichten Antrag, worin die deutschen Regierungen anszusprechen auf-gefordert werden: daß die Regierung des Herzogs von Cnmberland in Braun-schweig mit dem inneren Frieden und der Sicherheit des Reichs nicht ver-träglich sei, zum größten Teil auf eine Beurteilung des Verhaltens der hanno-verschen Bevölkerung, insbesondere der Weifenpartei gestützt, welche unter Hin-weisung aus die notorischen Thatsachen als irrig zurückzuweisen, mir, der ichseit Jahren mit der Führung dieser Partei im Wahldirektorio und mit ihrerVertretung beim Reichstage beehrt bin, nnabweisliche Pflicht erscheint. Indem Anträge der preußischen Regierung wird behauptet: Die Haltung der

st Graf Bernstorff, Bechtold; Majoratsherr zu Gartow, Poststation Gartow, Eisenbahn-station Lenzen a. d. Elbe. Wahlkreis: 15. Hannover (Lüchow-Ulzen). Centrnm. Geborenam 25. Oktober 1803 in Berlin; lutherisch. Erhielt Privatunterricht, besuchte von 1824 dieUniversität in Berlin, 182627 Göttingen; nachher ständischer Landrat in Hannover, dann bis1866 Geheimer Rat und Virilstimme der Hannov. I. Kammer, seit 1876 Mitglied des Reichstags.

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