Druckschrift 
3 (1896) 1879 - 1890
Entstehung
Seite
159
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Situation war eben jetzt eine andre und ich spüre durchaus keinen Beruf in mir,eine bloße Schachfigur in der Hand des klugen Parlamentstaktikers Windthorstzu sein. Der größere Teil der Deutschkonseroativen, die Freikonservativen(deutsche Reichspartei) und die Nationalliberalen stimmten mit nein, wir brachtenaber nur 93 Stimmen zusammen. Das Centrum, die sogenannten Deutsch-freisinnigen, die Polen, die Welfen, die Elsaß-Lothringer, die Sozialdemokraten,kurz alle übrigen stimmten mit ja, und so erlangte der Antrag 2l7 Stimmen.Er ist im Reichstag angenommen, wird aber vom Bundesrat selbstverständlichzum drittenmal abgelehnt werden. Wie lange wird es dauern, bis er wiederkommt? Dann stimme ich vielleicht mit ja, vielleicht abermals mit nein, je nachder Gesamtlage der Dinge, wie sie sich da gerade darstellen wird. Wenn andreLeute mit derartigen Dingen Schach spielen, thue ich es auch.

Berlin, den 16. Januar 1885.

Die Eröffnung unsrer Verhandlungen am 8. l. M. stand, wie das Endeim Dezember des vergangenen Jahres, im Zeichen der Kolonialpolitik. Schonam ersten Tage beschäftigte man sich mit ihr aus Anlaß verschiedener Wünscheund Beschwerden betreffs des Auswanderungswesens. Den Höhepunkt aber er-reichte die Verhandlung infolge einer sehr deplacierten Bemerkung des deutsch-freisinnigen Abgeordneten Dirichlet, welcher die Kühnheit besaß, unsre starke Aus-wanderung mit dem üblen Einfluß zu erklären, welcher nach Ansicht dieses un-belehrbaren Manchestermannes die gegenwärtige Wirtschaftspolitik des Reichs aufden Wohlstand unsres Volkes ausübt. Nun, die Thatsachen vor und nach 1879reden laut und unzweideutig genug: vorher sichtliche, erschreckenden Umfang an-nehmeude Verarmung, seitdem zahlreiche und unbestreitbare Anzeichen wachsendenNationalwohlstandes an allen Ecken und Enden die alleinige Landwirtschaftausgenommen. So hatte Fürst Bismarck leichtes Spiel mit seinen sreihändlerischenGegnern aus den Reihen der sogenannten Deutschsreisinnigen. Dabei konnte ernicht umhin, die Notlage unsrer Landwirtschaft zu schildern und ihre Hilfe durcheine angemessene Erhöhung der Zölle auf verschiedene landwirtschaftliche Erzeug-nisse in Aussicht zu stellen. Diese Ankündigung wurde von dein AbgeordnetenEugen Richter mit lautem Triumphgeschrei ausgenommen. Der Führer der so-genannten Deutschfreisinnigen hofft, die Parole von der Verteuerung des Brotesim nächsten Wahlkampf ausbeuten und damit die Scharte auswetzen zu können,welche der famose 15. Dezember den sogenannten Deutschfreisinnigen eingebrachthat ft.

Fürst Bismarck legte nochmals die unabweisbare Notwendigkeit dar, derLandwirtschaft zu Helsen, und schloß mit den Worten:Wenn der Herr Ab-geordnete Richter dem widerspricht, so versteht er nicht sein Land und seine Zeit!" Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Am 9. Januar beschäftigten wir uns hauptsächlich mit einem Etatspostenvon 150000 M., Jahresbeitrag an die Afrikanische Gesellschaft, behufs Er-