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3 (1896) 1879 - 1890
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160 Die erste Session der VI. LegiSlntnr-Periode des Reichstags

forschung desdunklen Kontinents". In den früheren Jahren schon ist zn gleichenZwecken der Betrag von 100000 M. bewilligt worden. Jetzt fordert die Re-gierung 50 000 M. mehr, weil unser Interesse an der Erforschung Jnnerafrikasaußerordentlich gestiegen ist, seit wir aktive Kolonialpolitik treiben und in demForschungsreisenden den Pionier unsrer Kolonialbestrebungen zn erblicken haben.Um diese 50000 M. mehr entbrannte ein hitziger Streit. Das Centrum unddie sogenannten Deutschfreisinnigen vermochten nicht zu verstehen, warum wirjetzt auf einmal 50000 M. mehr für diese Zwecke ausgeben wollen. Die ganzeBeredsamkeit des Fürsten Bismarck vermochte sie nicht zn überzeugen. Sie ver-langten Zurückverweisnng an die Kommission und beharrten dabei, obschon ihnender Reichskanzler versicherte, daß er uns alles gesagt habe, was er »Meilenkönne und dürfe, und daß in der Kommission keinerlei weitere Aufklärung zuerwarten sei. Sie setzten ihren Willen durch in namentlicher Abstimmung mit135 gegen 128 Stimmen. Die Minorität bestand ans den Konservativen undden Nationalliberalen, sowie vereinzelten Mitgliedern andrer Parteien. Inzwischensind in der Kommission die Würfel gefallen. Sie hat mit allen gegen eineStimme die Forderung bewilligt, und das, ohne weitere Aufklärung von seiten derverbündeten Regierungen erhalten zu haben. Genau so, wie bei den 2700 M.für die Unterbeamten des Auswärtigen Amtes! Kann man eine solche Oppositionals eine sachliche anerkennen?

Nach der erwähnten Abstimmung that ein Abgeordneter aus der sogenanntendeutschfreisinnigen Fraktion, mit welchem ich privatim in freundlichem Ver-kehr stehe, zu mir die Äußerung:Sie sehen, was der Adressensturm genützt hat!"Ich antwortete:Es stehen uns unendlich wichtigere Dinge bevor und wir wollenabwarten, ob Sie es wagen werden, da dem ausgesprochenen, unzweideutigenWillen der Nation zu trotzen; dann werden wir weiter mit einander reden."

Welcher von beiden Standpunkten der richtige war, das ergab sich bereitsam folgenden Tage. Da gelaugte der Gesetzentwurf zur Beratung, durch welchen180000 M. zum Bau zweier Dampfschiffe für den dienstlichen Gebrauch unsresGouverneurs in Kamerun an der Westküste von Afrika gefordert werden. DerGouverneur, oder richtiger das Gehalt für denselben ist noch nicht bewilligt, daskommt später- daran, die Vorlage wegen der Schiffe ist viel dringlicher, weildiese erst gebaut werden müssen und dazu eine Zeit von ungefähr sechs Monatennötig ist. Es handelte sich darum, die allererste Geldverwilligung auszusprechen,welche mit unsrer Kolonialpolitik in direktem Zusammenhang steht, und es warfür jedermann von vornherein klar: wer die Anschaffung der Schiffe für denGouverneuer in Kamerun gutheißt, der billigt auch die Anstellung des Gouverneursselbst, der billigt es, daß das Kamerungebiet unter den Schutz von Kaiser undReich genommen ist, der billigt die ganze Kolonialpolitik, wie sie bis jetzt sichentwickelt hat. Und siehe da, die Vorlage ging mit Pauken und Trompetendurch. Wiudthorst wollte auch hier, treu seiner bisherigen Haltung, Kommissions-beratung und damit Aufschub der Entscheidung, aber die sogenannten Deutsch-freisinnigen ließen ihn im Stich. That da derAdressenschwindel", wie die so-