1884
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Tage zu besuchen. Die Audienz währte eine halbe Stunde. Bismarck kamdemselben in gewinnender Weise entgegen und besprach sodann mit dem Ab-geordneten eine Reihe von Zollfragen, insbesondere die Frage der Einführungeines Kohlenzolls, die von Schalscha in seiner Rede auch gelegentlich berührthatte. Von Schalscha versuchte wiederholt, das Gespräch auf die Währungsfrageüberzuspielen, doch ging der Kanzler darauf nicht im mindesten ein. Der Anlaßzu einem Gespräche über die letztere ergab sich nach einem parlamentarischenDiner des Fürsten, bei dem auch Freiherr von Franckenstein und Graf Mirbachzugegen waren. Sobald sich das Gespräch dieser Frage zugewendet hatte, wurdevon Schalscha als Sachverständiger vorgeschoben, und er war es, der mit demFürsten längere Zeit die Konversation führte. Bismarck hütete sich aber, zurFrage irgendwie selbst positiv Stellung zu nehmen. Er beschränkte sich vielmehrausschließlich darauf, Zweifel über die Vorteile der Doppelwährung und dieMöglichkeit ihrer Einführung auszusprechen und Fragen zu stellen, die allerdingsersehen ließen, daß die Sache anfing, ihn zu beschäftigen. „Wie wollen Sie eshindern, daß der Preis des Silbers heruntergeht?" — „Wie kann mau nurzwischen zwei Waren einen Wert bezw. ein Preisverhältnis fixieren?" — —„Es geschieht das doch Tag für Tag. Man denke nur, wie oft mächtige Faktoren,z. B. Hamburger Kaufleute, deu Preis einer Ware festsehen — ohne daran rüttelnzu lassen. Entschließt sich erst gar der mächtige Staat bezw. die großenKulturstaateu zu einer solchen Festsetzung, so wird dieselbe unzweifelhaft durch-führbar sein."
„Mit demselben Rechte — fuhr Bismarck fort — könnte ein festes Preis-Verhältnis auch zwischen Silber und Eisen statuiert werden."
„Doch nicht. Denn Eisen kann man in beliebigen Quantitäten produzieren,bei Silber und Gold, den Edelmetallen, ist das ausgeschlossen."
In ähnlichen Wendungen drehte sich die Tischunterhaltung, die ein praktischesErgebnis zwar nicht hatte, den Fürsten aber jedenfalls auch von dem Vorhanden-sein guter Gründe für die Beseitigung der Goldwährung überzeugen mußte ft.
Bereits in Bd. I (2. Aust.), S. 275 s. ist erwähnt, in welcher dürftigen Formder Reichstag dem Fürsten Bismarck seine Glückwünsche zum 70. Geburtstag(1. April 1885) darbrachte. Dafür feierten ihn die regierungsfreundlichenFraktionen ft durch Übersendung von Adressen.
ft Auf eine mit 6003 Unterschriften bedeckte Adresse aus dem Landkreise Breslau-Neu-markt erging im März 1885 an den Reichstagsabgeordneten Herzog von Natibor nachstehendesSchreiben: Die Adresse, welche Eure Durchlaucht mir zu übermitteln die Güte gehabt haben,beweist das Verständnis, welches die nationalen Bestrebungen der Politik Seiner Majestät desKaisers bei den Wählern Ihres Kreises finden. Eure Durchlaucht darf ich bitten, den Be-teiligten meinen verbindlichsten Dank für dieselKnndgebnng ihrer wohlwollenden Gesinnung undfür ihre bereitwillige Unterstützung ausdrücken zu »vollen. von Bismarck.
ft 1. April 1885 hielt in Planen im Vogtlande die öffentliche Festrede zu Ehren des70. Geburtstages und 50 jährigen Amtsjnbilüums des Reichskanzlers der Superintendent Land-mann; den Kaiscrtoast brachte der Neichstagsabgeordnete vr. Hartmann ans. Vergl. den„Vogtl. Anzeiger und Tageblatt" Nr. 77 vom 3. April 1885.